Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1927, Blaðsíða 55
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Die Anzahl der Wörter auf -nir beliiigt im Westnord.
ca. 100.
2) Die Verwandtschaftsnamen auf -ir: faðir, bróðir, móðir,
dóilir, systir, aus idg. -er: lat. pater, frater, mater, gr.
dvyáryf), skr. svása (Dat. svasré).
3) Einige Wörter auf -ir im Isl., die abgeschwáchte For-
men sind von -þér-, -vér u. a.: Hamðir (< Hamþér),
Hlqðvir (< Hlyðvér), Olvir (< Ölvér), Pórir (< Þór-
geirr) u. a.*)
4) in Prápositionen wie: eftir, fyrir, undir, yfir.
§ 62. -i« ist das Suffix einiger adverbialen Bildungen und
ist ein urspriinglicher Genitiv von ja- Stámmen:
allshendis, allskyndis, andæris, einhendis, forberyis, samtíð-
is, samtýnis, samdœgris, snemmendis, sinnis, umhverfis, úl-
byrðis, vetrlengis, qllungis. Diese Bildungen finden ihre Ent-
sprechungen in den anderen germ. und indogerm. Sprachen
(ahd. frammortes, lat. tanti parvi u. s. w.).
§ 63. -itswa. kommt in einigen Fremdwörtern vor wie:
abtissa Abtissin, dýflissa Kerker.
§ 64. -ist ist das Suffix eines einzigen Wortes: angisl, F.
Angst, das ein Lehnwort aus dem mnd. angest = ahd. an-
gust (vgl. lat. angustiæ) ist. Es kommt in der alten Zeit nur
in der Bibelgescbichte Stjórn vor, wird im Neuisl. háufig
benutzt; in den misl. rímur kommt es einmal als Masc. vor.
§ 65. -íti kommt vor in Fremdwörtern wie: jesúíti.
§ 66. -ja, das Suffix fur persönliche Feminina (= urg.
-jön, eine Erweiterung von urg. -jö), hat sich nur nach kur-
zer Silbe und nach g und k im Ist. erhalten: beðja Gattin
(zu beðr, M.), bryðja ausgehöhlter Stock oder Stein (unge-
láhr dasselbe wie isl. þró, F.), brynja Panzer (=got. brunjö,
wahrscheinl. ein keltisches Wort), bylgja Welle (zur Wurzel
*belg- = schwellen), dyngja Haufen, Frauenzimmer, elja
Kebsweib, frýja Vorwurf, gyðja Göttin (zu goðj, gígja Harl'e,
iðja Tátigkeit, kytja kleine Htitte, (zu kot, N,), kirkja Kirche,
leðja Schiff (bulg. ládija = Boot), lilja Lilie, skytja Neben-
1) Vgl. Verf.: íslenzk tuuga í fornöld § 302, 4.