Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1927, Síða 82
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(zu sníkinnf, spelni Hohn, Neckerei = spélni (zu spélinn,
vgl, spé, N. < germ. *spai\va- zu *spl\van spucken),
siyllni Frostigkeit (vgl. deutsch kurz angebunden, isl.
slijtlingur zu stullr), strendni (Neubild.) Eckigkeit (zu
strendinn), stríðni Necklust (zu striðinn), svœsni Heí'tig-
keit (zu svœsinn), leistni Gramlichkeit (zu teislinn), iyrfni
Affektiertheit, Purismus (zu tyrfinn), veiðni Jagdglíick,
Fischgliick (zu veiðinn), veilni Schwáche (vgl. veill), vifni
Frauenfreundlichkeit (zu vífinn), vœmni Siisslichkeit (zu
vœminnl, þekkni Geíálligkeit (zu þekkinn, vgl. glqggþekk-
inn), þybbni Unbiegsamkeit, Steifheit (zu þybbinn), þýðni
Sanflheit (vgl. þýðr), þrœtni Streitsucht (zu þrœlinn),
þœfni Hartnáckigkeit (zu þœfmn), cetni Gefrássigkeit, Be-
gierde (zu œtinn).
Die meisten dieser Feminina treten erst im Neuisl.
auf. Das Suffix -ni ist in vereinzelten Wörtern produk-
tiv geworden und ist an Adjektiva gefiigt worden, vgl.
blindni, zu blindr, stífni zu stífr, þýðni zu þýðr u. a.
§ 89. -ó trilt im Neuisl. in einigen wenigen Neutra auf,
die Haus oder Wohnung bezeichnen und ist meistens eine
Abkiirzung von Fremdwörtern: bíó Biographtheater (vgl. Iíino),
gú/tó (= Goodtemplarhaus), Iðnó (= Iðnaðarmannahús,
das Gewerbehaus), Mentó (= menntaskóli, allgemeine Bil-
dungsanstalt).
§ 90. -ó*a (-ósi) kommt in vereinzelten Wörtern vor:
bjórósa (Neuisl.) biertrunken, flaumósa (flaumósi, neuisl.
auch flaumúsa, flumúsa, ftumósa) úbereilt, voreilig (zu flaumr
Strom), reykósa von Rauch durchdrungen, spánósa neu (nach
Span riechend), vatnsósa wásserig, von Wasser durchnássl.
Diese Wörter sind ursprúnglich Iíomposita, deren 2. Be-
standteil ós (Dunst, Dampt) ist, vgl. schwed. noiw. os Ge-
ruch, erstickendes Gas, ags. wós Feuchtigkeit, Saft, vgl. nd.
wósen, wösen scbáumen, brausen. Analogisch hiermit ist
dann danósa (neuisl.) danisiert gebildet worden.
§ 91. -ött(u)r ist ein sehr verbreitetes Suffix im Isl.,
besonders im Neuisl. Es entspricht einem germanischen -ht-
mit einem vorangehenden Vokal, der in den anderen germ.
Sprachen teils als a (o) oder i (e) auftritt, vgl. ahd. stainaht,
steinoht, holzoht, dornoht, ags. hærehte, hrísiht, wundiht u.