Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1927, Side 85
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gor), isl. lœr, N. Obersclienkel, ahd malz (finn. mallas <
*maltaz), ags. félt Filz (mlat. filtrum) u. s. w.
Viele uralte Konkreta mánnlicben und sáchlichen Ge-
schlechts gehen auf -ra zuriick, teils ohne Mittelvokal wie isl.
akr (got. akrs), isl. selr, N. Silz, ahd. zimbar Bauholz (aus
germ. *timra zur *Wz. dem- in lat. domus), teils mit Mittel-
vokal wie in isl. hamarr Hammer, /jqlurr Fessel, vgl. -arr
§ 21 und -nrr § 128.
Auch gehören Abstraktbildungen auf idg. -es hierher wie
heill, N. Vorzeichen, Omen (ags. hæl, hálor, N.), isl. myrkr,
M. Dunkelheit, isl. sigr, M. Sieg (ags. sigor, M.), vgl. lat. u.
griech. Bildungen wie ná&og, juévog, frigus, genus u. a.
Adjektivsuffixe auf idg. -ro leben noch weiter in Wörtern
wie isl. fagr (got. fagrs), bitr (got. baitrs), lat. verus (aus
weros <C *wés-r-os seiend zur Wz. *wés-), snotr (got. snutrs),
griech. íjfieQos sanft (mit Miltelvokal). Das Sul'fix -r -j- i lebt
weiter in isl. rýrr diinn, arm (got. riurs, urn. also *riurin),
isl. nœfr klug (ags. néfre), vitr weise (gr. l'ðgig) u. s. w.
Isl. -r ist
1) die Nominativendung vieler Masculina wie almr, dómr,
nagr, sqngr, gestr, sunr, ylr.’) Das rgehörtzum Stamme
in Wörtern wie akr Acker (got. akrs), fingr Finger
(einsilbiger Konsonantenstamm *fengraz < *penghros,
vgl. isl. fimr behend), hafr Bock (< *kapro-, nach der
Farbe < *kap-, vgl. naukr < *habukan), hróðr Lob,
Ruhm (idg. Wz. *kerá-, vgl. -ðr § 34), motr Kopfbeklei-
dung der Frauen (aus weissem Leinen, vgl and. móder,
afries. móther Brustbinde der Frauen), nykr Nix (in
Gestalt eines Pferdes, ahd. nichus Krokodil < *nikwus-,
zur Wz. *nig- waschen). otr Otter (< *utra-, vgl. Skr.
udrá- Wassertier, vgl. gr. vðgog Wasserschlange), sigr Sieg,
veðr Widder (got. wiþrus, vgl. lat. vitulus Kalb), vetr
Winter (got. wintrus, viell. zu altgall. windo- weiss, also
die weisse Zeit).
2) Nominativendung vieler Feminina wie byrðr, ermr,
festr, fyllr, hildr, mœr,1 2) Fríðr, þtr; brúðr, gunnr, Auðr;
kýr, sýr, œr.
1) Bekanntlich wurde das Nom. -r (< germ. -z) im Ll. > ur im
15. oder gar im 14. Jh., vgl. Jón Porkelsson: Um r og ur i niðurlagi
orða. Rvík 1863.
2) Vgl. z. B. FI. Lommel: Studien iiber idg. Femininbildungcn. Göt-
tingen 1912. S. 72 ff.