Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1927, Side 91
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hend, hjárœnn (neuisl.) eigen, sonderbar, hugrœnn (neuisl.)
subjektiv, idealistisch, mannrœnn (neuisl.) menschlich, rökrœnn
(neuisl.) logisch, sálrœnn (neuisl.) psychisch, starfrœnn (neu-
isl.) funktionell, iorrœnn (neuisl.) schwer zu beslimmen, un-
bestimmbar, undrœnn (neuisl.) unbillig, upprœnn (neuisl.
dial.) unbefangen /= upplitsdjarfurj, úlrœnn (neuisl.) vom
Meere wehend, vejrœnn (neuisl.) organisch, vélrœnn (neuisl.)
mechanisch.
Hierzu wurden Nomina gebildet: norrœna altnordische
Sprache, vestrama westl. Wind, hafrœna (neuisl.) Seewind,
hjárœna (neuisl.) Sonderheit, útrœna Seewind u. a.
§ 97. Mit dem s- Suffix werden
1) einige Neutra, meistens Abstrakta gebildet. Diese Wörter
scheinen alle sekundáre Bildungen von den abgeleiteten
Verba auf -sa zu sein. Die urgerm. Stámme auf -s (-z)
zeigen im Isl. teils -r (wie hatr, N. = got. hatis, myrkr
N. < *merkwÍR), teils ist das -r einem vorangehenden
Konsonanten assimiliert worden oder verschwunden (isl.
grand = ags. grandor, isl. heill, N. < *hailza). Das s
(-r) geht teihveise auf idg. -os, -es zuríick (germ. az,
-iz, vgl. isl. lœr, N. Schenkel, idg. *leqos zur Wz. *Ieq-
krumm sein, isl. liams, M. Fruchtbalg < ‘hamisa-, vgl.
vnlg. lat. camisia Hemd), teils hatte das s keinen Mittel-
vokal im Idg. wie z. B. in den Wörtern jax, N. Máhne
(idg. *pokso-, vgl. gr. néy.co = rupfe, schere), saæ, N.
Messer (Iat. saxum Felsstiick, zur Wz. *sek- schneiden),
Ijós, N. Licht (< *leuh-sa- vgl. got. liuh-aþ). Das s war
ein kennzeichnender Konsonant fiir Tiernamen, vgl. lax,
M. Lachs (lit. laszis, lasziszá), Feminina wie gýs Gans
(idg. *ghan-s, Skr. haiiisá-), lús Laus (kelt. *loves- in
kymr. eleven).
Zu den oben erwáhnten sekundáren Bildungen auf -s
gehören u. a.: jrums (neuisl.) = jrum, N., erste Fruchte
des Jahres, gams (neuisl.) onomatop. Nachahmung des
Lautes, wenn man tut, als ob man isst (besonders in
der Verbindung snapa gams nichts zu essen bekommen),
gleps Schnappen (vgl. glepsa, norw. schwed. dial. glap,
N. Loch, Wz. *glep- gleiten), glens Scherz (vgl. glensa,
glenna, F. Scherz, neuisl. glana hervorleuchten), gons
(neuisl., Arnarfjörður) Prahlerei (wohl zu neuisl. góna
stieren, gucken), groms (neuisl.) Bodensatz (vgl. gróm,