Árbók Háskóla Íslands - 02.01.1927, Page 42
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§ 55. -ing-i (vgl. -ingr, § 57, und -ungr, § 125) kommt
luiufig in den germ. Sprachen vor und wird besonders zur
Bildung von persönlichen Masculinen denominativen Ur-
sprungs verwendet; es bezeichnet meistens Zugehörigkeit,
Familienzugehörigkeit, híiusliche Zugehörigkeit u. s. w. und
wird daher (wie -ingr und -ungr) hiiufig ft'ir Personennamen
und Stiimmenamen verwendet.1)
Es kommen im Altisl. u. a. vor: aumingi armer Mensch,
bandingi Gefangener in Banden, Brandingi (mythologischer
Name, Br. jQtunn in Snorra-Edda), brautingi Reisender,
flœmingi Flamlánder (als Beiname: Jón f., in Biskupas.),
frelsingi freier Mann (im Gegensatz zu þræll), liirðingi Hirte,
hqfðingi Hiiuptling, fafningi gleichgestellte Person, kunningi
Bekannter, lausingi freigegebene Person (= legsingij, morð-
ingi Mörder, rœningi urspr. beraubte Person, darauf Ráuber,
skrœlingi (Pl. skrælingjar die urspr. Bewohner von Grönland
und Weinland, vgl. jutliind. skrælling, Person von schwacher
Gesundheit), skuldingi (skgldingij Verwandter, spillingi aus-
siitziger Mann, Vœringi (Bezeichnung des Nordliinders im
Dienste des griech. Kaisers), Vaningi vom Geschlechl der
Vanen, œtlingi Verwandter. Alle diese Wörter sind entweder
von Nomina oder Adjektiva abgeleitet; spillingi ist eine Wei-
terbildung von spilling zum Verbum spilla.
Es kommen ferner vor (S. Bl.): leiðingi Fiihrer (zu leið-
ingj, lœmingi Lemming (lemmus borealis; in der Skalden-
sprache kommt einmal vor læmingjahQgg), manningi starker,
mutiger Mann, mistingi der elwas verloren hat (zum Vb.
missa — mistj mólingi (westisl.) Kamerad, naumingi karge
Person, slœpingi Taugenichts, svertingi Neger, þynningi ein-
fáltiger Mensch, celingi mageres Lamm, das schlecht gedeiht
(Dýrafirði), unansehnlicher Manti (vgl. Adj. œll der gefiittert
werden kann, zum Vb. ala-ólj, œringi Lustigmacher (vgl.
Adj. œrrj.
Anm.: Foringi Fiihrer ist ein altes Kompositum (vgl. got.
faura-gaggja).
§ 56. -ing-ja. Auf -ingja kommen nur vor die Feminina:
liamingfa Gliick, Schulzgeist (von hamr, M. áussere Gestalt)
und leysingja frei gewordenes Weib (Fem. zu leysingij.
1) Vgl. R. E. Zachrisson: The Suffix -ingja in Germanic names.
Archiv f. d. Stud. d. neueren Spr. Bd. 133, 348—353.