Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1921, Síða 10
Mancherlei kulturgeschichtliche Ziige sind verwertet. Odin und Freia>
die Asgardgöttér und Walhallhelden, Götter und Göttinnen in Asgard
(der Kaiserliche Palast in Konstantinopel erinnert den Helden an#die As-
gardburg, II, n) werden wiederholt genannt, besonders die Alfen, an dere»
Spitze ein König steht (68), auch „Kieblinge" geheiBen, nach denen ei»e
bestimmte Melodie genannt ist (30), zarte Geister, die den Tag nicht ver-
tragen (160), und sonstige Spukdinger, lustiges Volk, aber man erzabh
auch schauerliche Alfengeschichten. Auch „der weiBe Christ“ ist deo1
heidnischen Islánder bekannt, er hat den Beinamen, weil man alle gute11
Geister weiB nennt (16, 17). Einige sind primsignet, aber auch volle ChristeO
gibt es, selbst Geistliche auf Island. Gut ist die Berserkerwut geschildert
(81, 83, 84, 185—188, 249—251, 268f.), die Szene auf dem Thing (96—-io3)>
die Vorliebe fiir Waffen und die Gabe des zweiten Gesichtes (II, 115)-
Einige Male zeigt sich Kenntnis der alten Sagas. Gunnar von Hlidarendi.
ein groBer und máchtiger, aber frommer, freundlicher Mann, bei dem um»
milde Aufnahme und Schutz findet, hat sein Gehöft in einer mildereo-
zum Tal sich senkenden Berggegend; in der Náhe ist (ganz richtig) deI
rauschende MarkarfluB (78). Auch sonst entspricht sein Auftreten dei»
Helden des ersten Teiles der Njála (Spff.). Fiir den Wikingerkampf all|
dem Wege von Island nach Bergen (i24ff.) und den bei den „Wáringero
in Konstantinopel spielenden zweiten Teil, besonders II, 39, möchte ma'1
an die Grettissaga denken. Der aus Wagners Walkiire bekannte Auftri^
der Völsunga saga, daB viele Helden sicli vergebeus bemiihen, ein in del1
Baumstamm gestoBenes Schwert herauszuziehen, ist deutlich (I, 314^
nachgebildet, nur daB es bei Fouqué eine Eanze ist. In Band II, i33f- "'ifd
auf das I. Kap. der Geschichte von Ragnar Eodbrok angespielt, auf die
Rettung Aslaugs, der Tochter Sigurds und Brynhilds, durch ihren Oheio1
Heimi. Bei der Auffiihrung der Tragödie „Sigurd der Schlangentöter" 111
Konstantinopel (II, 258ff.) bat Fouqué offenbar an sich selbst gedacbt,
doch können ihm auch die Spiele vorgeschwebt haben, die im von Kaisef
Alexius fiir Sigurd den Jerusalemfahrer imHippodrom veranstaltet wurdeI1
(Fornmanna sögur VII, 83; meine-Nord. Mythol. 193).
Fiir seine nordischen Dichtungen wollte Fouqué nicht nur daheim An-
erkennung finden, sondern auch auf Island selbst: „Das Nordland gede»k|
es des Sángers auch ? Island, Du einsame Insel der Helden, wehten voi1
je die Winde zu Dir meinen GruB ?“ Zum Dauke fur die Ernennung
Ehrenmitgliede der Islándischen Eiteratur-Gesellschaft dichtete Fouqué das
erste Preislied in deutscher Sprache auf Island im Jahre 1820 in 21 Stropbe’|
„Island. Ein SkaldengruB. Geweihet der Islándischen Gelehrtengesellschafb ,
1 Das Gedicht scheint nur handschriftlich nacli Island gekommcn zu sein, es
dort freudigen Widerhall, und die Isl. Lit.-Ges. veranstaltete Sonderdrucke. ^ct
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