Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1931, Side 7

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1931, Side 7
ob der Gesang der Briider „so ungefáhr richtig" wáre. Er erzáhlte von einem Pastor Jón Thorarensen, Saurbæ, wohnhaft in Stórholt, (Sohn des bekannten Dichters Bjarni Thorarensen), daB er die Gewohnheit hatte, zum Choralgesang der Gemeinde und des „Vorsángers" in der Kirche eine Zwiegesangsbegleitstimme zu singen, entweder unterhalb oder oberhalb der „Melodie", abwechselnd ganz in der Art der Zwiegesánge, was sehr bewundert wurde, da der Pastor ein guter Sánger war. — Zu Anfang der Rolle 39 singen die beiden Briider das bekannte Zwiegesangslied „ísland farsælda frón" zweimal. Hier ist vielleicht noch weniger von traditioneller tíberlieferung zu merken, zumal die Stimmen am SchluJ3 nicht in Quinten, sondern in Oktaven gehen. Verschiedene Merkmale, wie ritardandi und die dreiteilige Rhythmik, scheinen individuellen Ursprungs zu sein. Das Died ist bei Hornbostel als Phonogramm 39 a aufgezeichnet. Die weiteren Die- der dieser Rolle sind Reimweisen, gesungen von dem jiingeren Bruder Sigvaldi, artechte Dieder, namentlich das letzte (das vorletzte weniger), obwohl der Vortrag manchmal etwas iiberdehnt ist, da der Sánger seine stimmlichen Fáhigkeiten zeigen möchte. Er ist ein feuriger Mensch, der unermiidlich sang und die anderen ringsherum stehenden Eeute unterhielt und animierte. Bei manchen seiner Eieder kann man dieselben Stileigen- heiten wiedererkennen wie bei den Melodien in Stykkishólmr. Ein musi- kalischer Eokal-Stil des Breiðifjörður ist also unverkennbar. Teils handelt es sich auch hier um iiberlieferte „Copierungen" (Imitationen) alter ver- storbener Volksliedersánger. Neuere oder auslándische tonale Einfliisse sind wohl auch hie und da zu merken, da der Sánger ja auch ein ziemlich junger Mensch ist, etwa 40 Jahre. Das dritte Eied der Rolle 40 (eine Art Copierung) kann z. B. leicht in rhythmischer und tonaler Hinsicht vom Ausland iiber- nommen sein, aber der Vortrag bleibt wie gewöhnlich; bemerkenswert ist das am SchluB plötzlich halb gesprochen hingehauchte „HuuhS", wohl eine echte Úberlieferung des alten Volksliedersángers, der da copiert werden soll. Dieses „Huuh!" kam nicht deutlich heraus, worauf der Sánger das- selbe Eied als Nr. 4 der Rolle 40 deutlicher wiederholt. Auf der Rolle 41 erlahmt der Sánger schon etwas; er weiB nicht mehr viel Neues und singt nicht mehr so lebendig. Das dritte Eied der Rolle (eine Wiederholung) habe ich gleich anfangs unterbrochen. Das vierte Eied der Rolle ist dann eine Wiederholung des vierten und fiinften Eiedes der Rolle 36. Das Eied Nr. 5 der Rolle 41 bringt wieder Merkmale des Breiðifjörðr-Stiles, mahnt aber dabei an bekannte „Altweiber-Reime". Áhnlichen Stiles ist auch das sechste Eied der Rolle. Das siebente Eied ist dasselbe wie das achte Eied der Rolle 16. Den náchsten Morgen brachten mich die Leute des Hofes mit einem gröBeren Segel- und Ruderboot, das sonst zu Heutransporten 7

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