Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1931, Blaðsíða 12

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Terzklánge halte idi fiir spáteren Datums. Der Arzt singt dann zweimal eine Reimweise, eine Copierung eines verstorbenen Schmiedes, ein Schmiede- lied, das bei der Wiederholung zwar mit dem ersten Vortrag nicht identisch ist, aber dabei viel artechter und lebendiger ist als das erstemal. Auch hier kann es sich natiirlich um eine mehr oder weniger verstiimmelte Volks- iiberlieferung handeln. Zum SchluB dieser Rolle singt der Arzt dann ein „Branntweiqlied", jedenfalls auch eine Copierung, die aber an den Stil der „Þulur“ von Rolle 43 und 45 erinnern. Die dritte Verszeile ist dabei kaum hörbar und auch der SchluB ist undeutlich. Es ist, als ob die Silben der ganz tiefen Töne bei der Aufnahme weggeblieben wáren, was nur durch die Pausen des Phonogramms zu erkennen ist. (Fortsetzung folgt!) III. VÍSUR Vísa, ohne besondere Bestimmung, ist heute auf Island die am meisten gebrauchte Bezeichnung ftir die fiir sich bestehende Einzelsirophe\ daneben werden auch die Bezeichnungen lausavísa (lose Strophe) und staka angewandt, die das Eigentiimliche dieser poetischen Gattung genauer um- schreiben. Oft wird die Einzelstrophe auch ihrer Formgebung nach als ferskeytla, sljettubönd, hringhenda usw. bezeichnet. Die islándische lausavísa entspricht in ihrem Charakter unserem Epi- gramm. In knappster und zugleich festester Form (auch die einfachste Form hat Stab- und Endreim) umschliefit sie ein Ereignis, eine Situation, einen Gedanken, eine Charakteristik, ein Gefuhl. Sie ist wie das Epigramm das Kerngebilde der satirischen, der elegischen und panegyrischen, aber auch der allgemein lyrischen Dichtung. Sie bietet dem oft bis ins Artistische ge- steigerten Formvermögen und dem sehr regen satirischen und lyrischen Bediirfnis des Islánders eine unubertreffliche Möghchkeit der konzentrierten ÁuBerung. So ist auf Island die vísur-Dichtung noch heute kráftig im Schwange, vor allem auch als Stegreifdichtung. Eine schneidige lausavísa wandert im Fluge von Mund zu Mund, von Haus zu Haus (darum auch „húsgangur" genannt), sie wird mit Behagen genossen und tut oft mehr Wirkung als etwas lang gesponnenes. Die lausavísur sind kernige Zeugnisse islándischen Wesens und islándischen Sprachkönnens. Die islándische vísur-Dichtung ist eine volkstumliche Kunst auf hoher Ebene. Der Name des Dichters einer Strophe tut wenig zur Sache und wird leicht vergessen. Nur wo eine durch Produktivitát und menschliche Besonderheit ausgezeichnete PersönHchkeit der Dichter ist, bleibt sein Name und die VorsteUung von ihm wohl mit seinen Strophen verbunden. So war z. B. ein im ganzen Lande riihmlich bekannter vísur-Dichter der 12

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