Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1931, Blaðsíða 24

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1931, Blaðsíða 24
starken menschlichen Anteilnahme durchblutet worden ist. Wenn das einmal, wie von W. H. Vogt im Vorwort zur Islandforschung, I, ausgesprochen worden ist, so weist es Herr Gretor als sentimental-pathetisch zuruck. Wenn er in der gleichen Kritik dieses Vorwortes sich daran stöBt, daB dort steht: „Iíonrad Maurer, der vinur Islands“ statt „Freund Islands“, so beweist dies wieder seine Fremdheit auf Island, wo dieser Ausdruck zu einer iiberall bekannten Formel geworden ist, eine der unwillkiirlichsten und feinsten Ehrungen, die Konrad Maurer von seiten der Islánder zuteil geworden ist. An dem Beispiel dieser Islandphilologen, deren geistiger Vater Konrad Maurer war (es könnten noch mehr genannt werden, die Island aus eigener Anschauung kennen), hat sich noch die jungste Generation entzundet, von der einige Vertreter jahrelang auf Island und mit allen Schichten des islandischen Volkes gelebt haben, weil sie nicht lassen konnten von diesem Land. Gretors Angriff auf die Wissenschaftlichkeit der Islandforschung bricht an seiner eigenen Sinnlosigkeit, sein StoB gegen die geisttötenden „Islandphilologen" an dem klaren Widerstand der Tatsachen zusammen. Etwas anders steht es mit dem anderen Vorwurf, den Gretor der Islandforschung glaubt machen zu mússen, und der der eigent- liche Grund zu sein scheint fúr das ganze Manöver, das er gegen einen in Wirklichkeit nicht vorhandenen Gegner und dazu noch mit nassem Pulver unternimmt. Gretor hat prinzipiell recht (obwohl als Dáne in diesem Fall noch lange nicht das Recht vorwurfs- voller Kritik), wenn er an dem „Kultur"-Band der Islandforschung vermiBt, daB er so gut wie nichts vom „lebenden" Island bringe, soll heiBen vom nicht alten Island, denn das „Alte" lebl ja auf Island immer noch sehr kráftig fort. Dieser Umstand ist in der Tat um so bedauerlicher, als die Tausendjahrfeier des islándischen Volkes, der die deutsche Festgabe gewidmet war, sich dadurch auszeichnete, daB Vergangenheit, Gegenwart und Zukúnftiges des Islándertums in einer fast magisch zu nennenden Einheit sichtbar wurden. Woran liegt es, daB die deutsche Forschung, die an der Spitze der Islandwissenschaft steht, in ihren reprásentativen Darstellungen noch nicht mehr uber das junge Island bringt ? Soweit ich unterrichtet bin, sollte der Band eine Arbeit úber moderne islándische Literatur bringen, deren Zustandekommen aber an Zufállig- keiten scheiterte. Warum stand nicht mehr zur Verfúgung an gelialtvollen Arbeiten uber das islándische Geistesleben der Gegenwart? Offenbar, weil die Zeit fúr Dar- stellungen, die úber allzu vorláufige Skizzen und úber reine Beschreibung hinausgehen, noch nicht reif ist, weil sich das Werdende immer der sichtenden und kritischen Dar- stellung zu sehr entzieht. Sollte das nicht auBer fúr die álteren und júngeren „Philo- logen" auch fúr Herrn Gretor selbst und die von ihm vertretenen „kúnstlerisch inter- essierten Kreise" der Grund sein, weshalb von dorther noch nichts Gúltiges tiber irgendein Gebiet der jungen islándischen Kunst veröffentlicht worden ist? Warum schimpft man auf die „Philologen" anstatt sie mit dem eigenen Genius zu tiberschat- ten ? Warum versteckt man sich hinter einer so maBlosen Dummheit (weil Unmöglich- keit!): Die „Philologen haben Island annektiert!!", anstatt zumindest auf den Ge- bieten, auf die sich die „Philologen" bis jetzt úberhaupt nicht gewagt haben, dem „neuen Island" zum Rechte zu verhelfen ? Oder warum hackt man immer noch auf einem (jedenfalls in Deutschland) lángst úberwundenen Begriff der „Philologie" herum, anstatt selbst ein Stúck moderner Geisteswissenschaft darzustellen ? „Von Islands Nationalgenius blieb nicht viel mehr úbrig als etwa vom griechischen Genie .... in der Spiegelung humanistischer Gymnasien und des durchschnittlichen Alt- philologenbetriebes" (S. 691). Ob Konrad Maurer oder Andreas Heusler nicht mehr von diesem Genius erfahren und durch ihre persönliche Anteilnahme haben lebendig werden lassen als die Herren, die so laut davon reden ?: Sie haben sich allerdings nicht erkúhnt zu dem Anspruch, diesen Genius in einer Gesamtschau sichtbar werden zu lassen. Herr Gretor scheint diesen Anspruch fúr sich zu erheben, ohne ihn irgendwie zu erfúllen. Oder sollte seine Broschúre „Islands Kultur---------" (s. o.) etwa eine solche Erfúllung sein ? Es scheint fast so, da er aus der derzeitigen 22

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