Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1931, Side 13
letzten Zeit Jón Bergmann. Nach einem bewegten Beben amtierte er
zuletzt als Polizist. Eine Auswabl seiner vorziiglichen Strophen ist auch
im Druck erschienen1. Neuerdings hat Margeir Jónsson begonnen, die
besten vísur aus dem ganzen Lande zu sammeln und in etwa ioo Seiten
starken Bándchen unter dem Titel „Stuðlamál" herauszugeben2 3. Die bei-
gefiigten Bilder, Lebensláufe und kurzen Charakteristiken der „Volks-
dichter" gewáhren manch lehrreichen Einblick in das Wesen und die Be-
dingungen dieser bodenstándigen, immer noch iippig spriefienden Volks-
dichtung, die alle Erschiitterungen des islándischen Volkstums zu iiber-
dauern scheint.
Alle Islandfahrer und Sammler werden gebeten, die besten vísur, die sie
besitzen, ob gedruckt oder noch ungedruckt, beizusteuern fiir eine Auswahl
islándischer vísur-Dichtung, die fortlaufend in den „Mitteilungen" ver-
öffentlicht werden soll. Wenn möglich, sollen Verfasser und Quelle, wo fiir
das Verstándnis der Strophe nötig, auch die Umstánde ihrer Entstehung
angegeben werden. Da eine Úbertragung gerade den vísur meistens zuviel
von ihrer Eigentiimhchkeit und ihrem Reiz nimmt, sollen sie in der Ur-
sprache wiedergegeben werden. Die zur Veröffentlichung kommenden
Strophen werden fortlaufend numeriert.
Kiel R. Prinz
i. Ferskeytlan er Frónbúans
fyrsta barnaglingur.
En verður seinna í höndum hans
hvöss sem byssustingur.
(Andrjes Björnsson. Stuðlamál I, 68.)
Aus einem Brief von Jónas Jóm
vom 8. 12. 1930:
2. Heldur yrði hæpinn sál
himnaríkis friður,
heyrðist aldrei íslenzkt mál
eða fossaniður.
(Jón Bergmann. Ferskeytlur, 40.)
son von Hofdalir im Skagafjörður,
„Als kleines Entgelt fiir die Verzögerung sollst du die letzte vísa hören,
die ich gedichtet habe. Das ging so zu: einige Mádchen hier bewunderten
die Dichtung der Dichterin Hulda '. Ich landete in einem kleinen Wort-
streit mit ihnen itber Dichtung, in dessen Verlauf verschiedene Dichter
vorgenommen wurden, darunter auch Grímur Thomsen4. Die Mádchen
meinten, der sei kalt und steif. Da setzte ich ihnen diese Stegreifstrophe hin:
1 Jón G. Bergmann: Ferskeytlur. Reykjavík 1922.
2 Erscheinen in Akureyri. I. 1925; II. 1927.
3 Islándische Dichterin der Gegenwart, geb. 1881. Hulda ist Pseudonym íiir Unnur
Bjarklind.
1 Bedeutender islandischer Lyriker und Balladendichter. 1820—1896.
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