Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 5

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I/ebendig ist diese Erf assung insofern in besonderem Sinne, als sie am lebenden Objekt beginnt und von da methodisch weiterschlieBt. Der Metriker I-Ieusler arbeitet in der Richtung Moellers und Rudolf Hildebrands. Er könnte es sich niemals einfallen lassen, etwa die alten Stabreimverse trocháisch zu skandieren — als wenn der Trocháus nicht erst eine spáte Entlehnung aus der Fremde wáre! — cder, wenn sie sich diesem oder einem áhnlichen Schema öicht fiigen, zu schlieBen, daB sie „taktfrei" seien. Fiir ihn gibt es keineu Respekt vor den papierenen Eehren antikisierender Metriker; er nimmt den Goethe des Reineke Fuchs iu Schutz gegen Humboldt und den durch diesen írre gemachten Goethe der spáteren, angeblich metrisch vollkommeneren Hexameterstiicke, immer urteilend und folgernd aus dem unmittelbaren Be- sitz (dies scheint mir der beste Ausdruck dafiir) des deutschen Verses heraus, d. h. des Verses, der unserer Sprache und der bodenstándigen Uberlieferung gemáB ist. Heuslers Gegner haben uber die Subjektivitát seiner Grundsátze geklagt. Dies ist ein belastendes MiBverstándnis des Wesens metrischer For- schung úberhaupt. Metrische Formen haben nur soweit Wirklichkeit, als sie von Subjekten getragen werden. Metrik ist etwas anderes als Frdkunde oder Physik. In jener sogenannten Subjektivitát H.s sehe ich ungefáhr seinen bedeutendsten Finsatz in den germanistischen Betrieb zu eiuer Zeit, 'vo die naturwissenschaftliche Begriffsbildung mit ihrem Ideal des rein Quan- iitativen úber aller Forschung schwebte und die guten Uberlieferungen der Geisteswissenschaften kleinlaut geworden waren. H. hat an seinern Teil da- fúr gesorgt, daB das BewuBtsein von dem Reichtum und Figenwert des See- l'schen nicht verloren ging. Fr war ein rechter Philologe, d. li. einer, der zu lesen versteht, als fúr viele das Lesen aufging in Suchen und Auszáhlen. ■^ur einzelne haben die Heldensagen begriffen (z. B. Scherer das Hildebrands- úed), ehe H. uns lehrte, sie zu begreifen. Die Sagas waren fúr die meisten ein ^ucli mit sieben Siegelu, ehe H. sie interpretierte. Und das sogenannte alt- germanische Strafrecht bleibt ein kúnstliches, lebensfremdes Begriffssystem, graueste Theorie, wenn xnan nicht von H. lernt, das Racheethos unmittelbar zu erfassen als ein „Urpliánomen" und die alte Kriegerwelt an der Hand der Quellen vorurteilslos nachzuerlebeu. Finfúhrung, Mitempfindung sind fúr Úin selbstverstándliches Werkzeug des Philologen. Mit ilirer Hilfe allein ge- útrigt er zu seinen Sammelbegriffen. Fúr den nur messenden und záhlenden Verstaud, der von allen Solchlxeiten (so sagt Driesch gut statt Qualitáten) augstlich absieht, sind germanischeHeldendichtung, Fiedstil, Tragik, Humor, úeutscher Versstil, eudlich der vornehmste der Heuslerschen Begriffe, das ficrmanische Altertuiu, so wenig vorhanden wie objektive Farbeu und Töne fúr den Physiker, der also Farbenbliudheit und Tönestumpfheit unter Gmstánden verschmerzen kann. Vom Standpunkt des messenden uud 45

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