Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 39
Jahrhunderts von 1750—1850 zu erfassen, eine klare Anschauung in kurzen Ziigen erhalt.
Nur ein so vielseitiger Geist, der iiber dem Stoff stelit, konnte diese kurze und doch so
gehaltvolle Darstellung, die bei aller Genauigkeit in Einzelangaben und Zahlen das Inter-
®sse des Lesers standig fesselt, verfassen. Alle Urteile sind ruhig, sachlich und wohl-
begriindet. — Ein zweiter Aufsatz erzáhlt von Natalie Zahle, der danischen Lehrerin, die
so bedeutenden EinfluC auf das Mádchenbildungswesen in Dánemark hatte, daC ihr im
Örstedpark 1916 ein Denkmal gesetzt wurde. — In 12 Abschnitten behandelt Bogi Th.
Melsteð eine Reihe politischer Fragen, die Island betreffen. Auch sonst enthált der
Band zahlreiche interessante Einzelskizzen und Mitteilungen, die hier nicht aufgezáhlt
'verden können. — Der Band, der stárker ist wie die vorigen, reiht sich diesen wiirdig
an und dient seinem Zweck, ein populares Jalirbuch der islándischen wissenschaftlfchen
Gesellschaft (in Kopenhagen) zu sein aufs beste.
PYI.KIR; UM ATVINNUVEGI VERSUUN OG RETTARFAR. (DerFiirst;
öber Handel, Geschaft und Gerechtigkeit.) 2. u. 3. Heít (= 2. u. 3. Jahrg.), IV, 1.
b'nter dem Namen ,,Fylkir“ (König) gibt Frímann B. Arngrimsson in Akureyri in zwang-
loser Folge eine Zeitschrift heraus, die er bisher vollkommen selbst geschrieben hat. Der
Rerausgeber und Verfasserhat ein bewegtes Leben hintersich. Eristvon63 Jahrenseines
Lebens 40 im Ausland gewesen, in England, in Amerika und Frankreich. Die vielseitigen
Renntnisse, die er besitzt, hat er sich durch eigenes Studium, durch Beobachtung und
den Besuch englischer Colleges in Kanada erworben. Die Vielseitigkeit, die er zeigt und
bie teclinische Wissenscliaften so gut wie nationalökonomische Fragen und literarische
Interessen in ziemlich selbstsicherem Tone beliandelt, wird wohl nicht iiberall griindlich
Zu Werke gehen, wie denn z. B. seine Bemerlcungen iiber sprachliche Dinge wissenschaft-
bch nicht diskutabel sind. Er will durch Ausnutzung von WasserstraBen auf billigstem
Wege Island in erster Linie jetzt seine Heimat am Nordviertel mit E.ektrizitát zur Be-
*eUchtung, zum Maschinenantrieb und zur Beheizung versorgen, er bemiiht sich darum,
Sceignete heimische Steinarten fiir den Bau von Háusern ausfindig zu machen und Ze-
Ulent aus einheimischem Material herstellen zu Iassen, (wozu er eine Unterstiitzung vom
Vthing erhalten hat) und anderes mehr. Das alles sind Dinge, die in Island heute ini
^ordergrund des Interesses stehen, wálirend sie der Verfasser schon vor vielen Jaliren
uUermiidIich angeregt hat.
Wirklicli gehaltvoll, wenn auch nicht frei von Einseitigkeiten, sind seine politischen
^nschauungen iiber den Weitkrieg, seine Ursaclien und seine Wirlcungen. Hier sieht
nian, daB er mit sehr offenen Augen in den Lándern der Entente gelebt liat und die
Schwáchen dieser Völker und ihrer Politik sowie die wahren und tiefen Ursachen des
Rrieges grundlich durclischaut hat. Von unserem Standpunkt aus ist es nur zu bedauern,
ðaB er Deutschland nicht kennt; darum ist er hier nur bis zu der Linie gekommen, wo
das richtige Verstandnis hátte einsetzen können; die Aufnahmefáhigkeit fur ein ge-
r°chtes Urteil uber den Existenzkampf des deutschen Volkes ist bei ihm zweifellos vor-
banden. — Um aber zu zeigen, in welcher Weise er an die politischen Probieme heran-
S°bt, will ich einige Fragen mit Antworten iibersetzen, die sich IV, 1, 104 finden; daraus
laöt sich zugleich ein Urteil iiber seine Art gewinnen:
*• Wie kann man sich vor Oberschuldung hiiten und Leben und Eigentum auf Island
crhalten, wenn ein wirklicher Friede nicht eintritt oder der Handelskrieg weitergeht
und der Schifísverkehr schwach wird ?
Indem man möglichst wenig unnötige Waren aus dem Ausland kauft und möglichst
v°n den eigenen Produkten des Landes zu leben lernt.
2‘ Wie kann man der Landwirtschaft am besten helfen ?
Indem man es den Bauern leichter macht, Geld zu nötigen Unternehmungen aufzu-
Uehrnen, nicht nahezu allcs Geld des Landes auf die Fischerei verschwendet und dieser
Kestattet, die Arbeitskráfte aus dem flachen Lande fortzuzielicn und die Landwirt-
Scbaft zu láhmen.
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