Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 7
Was wir als Studenteri, die wir zu Heuslers engerenr Kreise gekörten, an
■hni hatten, das waren nicht bloC wisseuschaftliche, es waren fast noch uiehr
Jiienschliche Werte. Wir bewunderten die Unabhángigkeit und den Glanz
seines Geisces und die seltene Abgerundetheit und Gediegenheit seiner Bil-
dung nicht mehr, als wir sein Meuschliches schátzten und liebten. Und ich
tveiÖ, daB dies bei andern, álteren und noch rnehr jiingeren, wesentlich ebenso
der Fall gewesen ist. Die Zahl von Heuslers Freunden ist gröCer als die Zahl
derer, die seine Verdienste ernressen können. Wenn ich nun zum Sommer
nach Berlin gelie und seineTátigkeit fortsetze, will ich dafur zu wirken suchen,
daC der Blick der Germanisten freier werde auf das, was wir an Erkenntnissen
und an Methode ihm verdanken.
Heidelberg, Februar 1920 Gustav Neckel
H. ETWAS tÍBER DAS YERDEUTSCHEN
ALTISLÁNDISCHER SACAS
1. Soll man die isláudischen Orlsnamen in den Sagas verdeutschen, Waffen-
föhrde sageu fiir Váþna/jörðr, Haldenende fúr Hlíöarcndi, Dreihornjoch fúr
Thríhyrningshálsar usw. ? — DieMitarbeiterander Sammlung Thule habens
damit ungieich gehalteu, und der Ueiter der Sammlung hat ihnen Freiheit
gelassen. Die Frage ist eine von deuen, die man doch wohl ruhig und fried-
iich verhatideln kann. Sie hat ihre zwei Seiten; eine logisch zwingende
Antwort ist nicht zu geben.
Zugunsten des Niclitverdeutscketis spricht vor allem die Bequemlichkeit:
die des Ubersetzers , der nicht zu sucheu braucht nach passenden und haud-
lichea Wörtern, und diedes kritischen Desers, der in Búchern und auf Kar-
ten die Namen nachschlagea will. Ferner die geschichtliche Treue. Die
’neisten Sagas sind ja keine Romaue mit erdichteten örtlichkeiteu; man
hat bemerkt, daB die verdeutschten Ortsnamen einen Haucli von roman-
kafter Unwirkliclikeit mit sich bringen. Soust nimmt man ja die Nanten
der Orte, sowie die der Personen, als geprágte Miinzen hin, oliue uoch ihrem
Sprachsinn zu fragen.
Fúr das Verdeutschen spricht folgendes. Die altisláudischen Ortsnamen
sind fast alle durchsichtig, deiu Sprachgenossen warensieeinsinnvoller Teil
der Rede in gauz auderem Grade als die Persouenuamen. Bei den Mánner-
tiamett Hrœrekr, Hakon, Bardr, Thordr, Hrolfr, Högni, Kari u. v. a. konnte
sich der Nordmanu sckon niclits mehr denken. Klar waren wieder die Spitz-
namen, und die will denn auch jeder úbersetzt haben. Behalten wir die
tslándische Uautgestalt bei, so beschweren wir den deutschen Text mit einer
Meuge sinnloser Schálle. Meltr als das. Weil die Ortsnamen noch nicht
abgeschnúrt waren von der Sprache, standen sie untereiuauder und mit
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