Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 20
L,andleben nnd dessen Schilderuugen; es sind seiue Jugenderinueruugen, die
er in die Erzahlung verwoben hat. Auch hat er offenen Sinn fiir Humor;
iiberhaupt betrachtet er die Menschen und die Ereignisse, die er schildert,
mit gutnriitigem Eacheln. Manchmal wird etwas Ironie daraus, nie aber
wirkliche Satire. Sprache und Stil sind gleich gut.
„ Jiingling und Mádchen" sclirieb J. Th. in Kopenhagen im Winter 1848/49
(nach der Angabe von Jón Sigurðsson in seiner Biographie) und gab es im
Jahre 1850 selbst heraus. Zwei Jahre vorher war „Ehie Reiseskizze" (dálítil
ferðasaga) erschienen in Norðurfari, einem Jahrbuch, das J. Th. und Gísli
Brynjólfsson 1848/49 in Kopenhageu herausgaben (die Erzáhlung ist wieder
gedruckt in der Sýnisbók von Bogi Melsteð, S. I58ff.; sie wurde von Ph.
Schweitzer ins Deutsche iibersetzt in seinem Biichlein Island, Eeipzig u.
Berlin (1885), S. I53ff. unter der Uberschrift: „Die steinerne Frau.“). Seine
dritte und lángste Erzáhluug „Mann und Frau“ (maður og kona), wurde erst
nach seinern Tode gedruckt und war von ihm nicht ganz fertig hinterlassen.
Noch beim Tode J. Th.s, also 20 Jahre nachdem „Jiingling und Mádclien"
geschrieben war, war dies die einzige bedeutende neuislándische Erzáhlung
oder bildete jedenfalls den Mafistab, an dem man andere maB.
Jón Thoroddsen hat der ueuislándisclien Erzáhlungsíiteratur deu Weg ge-
bahnt. Aber er ist auch einer der bedeutendsten ueuislándischen Eyriker
und in der zweiteu Hálfte des 19. Jahrhunderts waren auf Island seine Ge-
dichte lange Zeit in aller Mund. Sie sind alle leicht und klar, die Form ge-
wandt und die Spraclie gut, viele gut singbar nach schönen Melodien, uud
sind auch viel gesungen worden. Noch lieute kenuen alle Islánder von Jugeiul
auf das Eied: ‘O, fögur er vor fósturjörð (Wie herrlich ist doch unser Eand).
Eine Reihe seiner Eieder finden wir in deutscher Ubersetzung in Poestions
„Eislandblúten", S. 6gff. und in „Proben islándisclier Eyrik“, verdeutsclit
von M. Eehmann-Filhés, Berlin 1894, S. 37—45. Die Gedichte erschieneu
zuerst einzeln in Zeitschriften wie „Norðurfari" oder Zeitungen, vor allem in
„Islendingur", den J. Th. mit herausgab, aucli in Snót (einer Sammlung von
Gedichten verschiedener Verfasser), an deren Herausgabe J. Th. ebenfalls
beteiligt war. Erst nach seiuem Tode wurden seine Gedichte gesammelt
und von der islándischen Eiteraturgesellschaft herausgegeben (1871). Auch
die erste Ausgabe von „Mann und Frau“ ist von dieser herausgegeben (1876)
und dieser Ausgabe eine Biographie aus der Feder Jón Sigurðssons voraus-
geschickt.
Jetzt, zrun Jahrhundertstage seiner Geburt, sind seine Gedichte in neuer
Ausgabe herausgegeben von dem Sohne des Vérfassers, Prof. Þorvaldur
Thoroddsen uud dem Bibliotliekar Sigfús Blöudal, gedruckt in Kopenhagen,
im Verlage von Sigurður Kristjánsson in Reykjavík. Diese in jeder Be-
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