Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 15

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 15
kann daher von einer aufbliihendeu islándischen Kuust reden, uud um diese kiinstlerischen Bestrebungen zu unterstiitzen und das Interesse des Volkes dafiir zu wecken, vairde igiö „Listvinafjelag Islands" („Vereinigung der ^slándischen Kunstfreunde") ins heben gerufen. Laut den Satzungen dieser Vereiuigung sieht sie ihreHaupttátigkeit darin, „dieKenntnis und das Inter- esse der Islánder fiir die schönen Kiinste anzuregen, fiir die Verbreitung guter Kunstwerke und ihrerReproduktionenzu wirken, islándischen Kiinst- lern in ikren Bestrebungen mit auslándischer Kunst bekannt zu werden zu kelfen und das Bekanntwerden islándischer Kunst im Auslande zu fördern". Diese Vereiuigung, der etwa 80 kunstliebende oder kiinstlerisch begabte Mit- glieder angebören, hat nun in diesem Jahre die erste allgemeine Ausstellung fiir islándische Kunst veranstaltet. Sie fand Anlaug September in Reyk- javík statt und dauerte etwa drei Wochen1. Einar Jónsson hat auBer vielen Statuen beriihmter Islánder (Ingólfr Ar- narson, J ónas Hallgrímsson, J ón Sigurðsson) auch Kolossalgruppen (wie die durch Sindings „Mann und Weib“ beeinfluBte „Verantwortung“, in Wien aufgestellt, u. a.) gesckaffen. Er köunte vielleicht mit dem Dánen Rudolph Tegner verglichen werden, gehört aber keiner Kunstricktung an und huldigt keiner Schule. Er glaubt an den Instinkt des gottbegnadeten Kiinstlers und verabscheut alle treue Nachahmung der Natur. Frei schaffen nach der in- stinktiven Intuition ist sein höchstes Kunstgebot. Von ihm waren auf der Ausstellung nur einige wenige seiner friiheren Werke. ‘Asgrímur Jónsson und Þórarinn B. Þorláksson sind beide Landschafts- ttialer und suchen sich beide die schönsten islándischenLandschaíten aus. Tórarinn ist ein Meister der Farben und Linien und liebt es, weiche und weh- öiiitige Naturstimmungen wie Sonnenuntergang uud Abendruhe in blumen- reichen und fruchtbaren Gegenden (wie Laugardalur) zu malen. Seine klotive in der Malerei sind áhnlich den Motiven Guðmundur Guðmundssons (t 1919) in der Lyrik. ‘Asgrímur dagegen liebt die öden, einsamen Land- schaften, die groBen Gletscher und die hohenBerge, und jeden Sonnner be- gibt er sich auf Reisen, nach Skaptafellssýsla, Þjórsárdalur, Borgarfjörður u-a. Seine Kunst hat sich mit der Zeit geándert, erliebt nundasEindrucks- volle und starke Farben, und fiihrt die unbedeutenderen Einzelheiten weniger aus. Er ist sehr beliebt auf Island als Maler und eine ganze Menge seiner Getnálde ist bei privaten Leuten auf Island anzutreffen. Rikarður Jónsson lst als Holzschnitzer hervorragend, auBerdem sind seine Modellierungen be- kannter Islánder (wie der Dichter Matthí as J ochumsson und Steingrímur Thor- sieinsson, des Landesphysikus Guðmundur Björnson, der unter dem Namen »Gestur“ Dichtungen veröffentlicht hat) glánzend geluugen. Zahlreiche 1 Gber die Einzelheiten vgl. ,,Mitteilungen“ VII, 31. 55

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