Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 14

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 14
Ivied und Epos oder im Tonfalle rhythmisch bewegter Prosa besingen, nicht geringer werde, indem behauptet wird, daB von 18 Schiilern einer Klasse im Gymnasium zu Reykjavík 14 dichterisch begabt sind- einer von diesen hat mit seinen 17 Jahren bereits einen ganzeu Roman gesclirieben und her- ausgegeben, andere von diesen Jiingern Bragis lassen ihre Herzensergiisse in den Spalten der islándischen Zeituugen und Zeitschriften ausströmen. Dagegen ist die Zahl der Maler, Bildhauer und Architekten bis vor wenigen Jahren so gering und ihre Kunst so unreif gewesen, daB — mit Ausnahme etwa eines einzigen Malers im 19. Jalrrhundert, Sigurður Guðmundsson „málari“ (der Maler), der nicht ohne EinfluB auf die W'eiterentwicklung der islándischen Malerei war — man sagen darf, daB die islándische Malerei und Bildhauerkunst erst mit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihren Anfang nimmt. Das islándische Althing gewáhrte zum ersten Male 1893 einem jungen islándischen Bildhauer eine kleine Unterstiitzung zur Ausbil- dung. „Der AusschuB rát dazu diesen Versuch zu machen, um zu sehen, was aus dem jungen Manne werden kann“. Dieser junge Mann war der Bild- hauer Einar Jónsson, der sich spáter in hervorragender Weise ausgezeichnet hat uud dessen Werke nicht nur in Skandinavien, Deutschland und England, sondern auch in Amerika bekannt sind. Eben jetzt hat er eine ubergroBe Statue des ersten islándischen Ansiedlers Amerikas Þorfinnr karlsefni1 (vgl- Saga þeirra Þorfinns karlsefnis &c. in Antiquitates Americanæ) fúr einen amerikanischen Millionár vollendet. Ein Museum fúr seine Werke wird jetzt in Reykjavík errichtet2 und nach dessen Vollendung sollen seine sámtlichen Skulpturarbeiten, die jetzt in Kopenhagen liegen, von dort nach Reykjavík geschafft werden. Einar Jónsson suchte zuerst seine Ausbildung an der KunstakademieinKopenhagen, und angefeuert durch seinGltick und jungen Ruhin folgten ihm zwei junge Maler nach, ‘Asgrímur Jónsson und Þórarinn B. Þorláksson, die beide als Bahnbrecher der modernen islándischenMaler- kunst anzusehen sind. Seither ist die Zahl der islándischeu Maler und Bild- hauer máchtig angewachsen, so daB man im Augenblicke mit 20—30 islán- dischen Kúnstlern recbnet, von denen die meisten iu Kopenhageu studieren oder studiert haben. Seit dem Tode Rögnvaldur ‘Olafssons, der verschiedene Kirchen und öffentliche Gebáude auf Island errichtete, gibt es nur einen an der Akademie in Kopenhagen ausgebildeten Architekten, den begabten und túchtigen Guðjón Samúelsson, der sofort nach AbschluB seiner Studien in diesem Jahre als Staatsarchitekt angestellt wurde; ihm wird es beschieden sein, eiue Menge von öffentlichen Gebáuden auf Island zu errichten (das groBe Eandeshospital, Ministeriumsgebáude, Theater, Universitát usw.). Man 1 Abbildung in Eimreiðin XXV, 4, S. 237. 2 Im „Skólavarðaholt" (steiniges Gelande um die „Schulwarte"); verbunden mit einer Wohnung íiir den Kunstler, wenn er nach R. kommt 54

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