Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 16

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 16
Zeichnungeu, gröBtenteils Motive aus den islándischen Volkssagen, riihrei' von ihm her. Jóhannes Kjarval (verheiratet mit der dánischen Dichterin Tove Kjarval1 ist in bezug auf die Auffassung seiner Kunstlernatur von Einar J ónsson be- einfluBt worden; er ist sehr phantasievoll, das innereLeben ist ihm alles, die Farben und Linien haben insbesondere als Gemútsstimmung fiir ihnGeltung; seine bedeutendsten Gemálde heiBen „ St. Johannisnacht" und „Herbst- wald“ (das letztere gehört jetzt der islándischen Gemáldesammlung iu Reykjavík). Nína Sæmundsson2 ist eine sehr begabte Bildhauerin, ausgebildet bei Utzon Frank in Kopenhagen . Von ihren Arbeiteu sind zu nennen: „Kentaur raubt ein Mádchen", „Schlafender Knabe“ und „Hirtenknabe". Ilire Erst- lingsarbeiten sind plastisch schön geformt und haben ihr viel Uob ein- gebracht. Diese erste allgemeine Kunstausstellung auf Island fand groBen Beifall, verlief aufs glánzendste und hatte 2000—3000 Besucher aufzuweisen. Eine solche Ausstellung soll von nun an alljáhrlich (wahrscheiulich im Frúhjahr) in Reykjavík veranstaltet werden. Alexander Jóhannesson V. DIE ALLMANNAGJÁ3 Das Bild stellt die Allmannagjá, die Allmánnerschlucht, den westlichen Zugang zu Þingvellir, dar. Der Weg, der von Reykjavík aus zu dieser berúhmten Státte fiihrt, durchquert die einförmige, weite Mosfellsveit. Kurz vor der Erreichung des Zieles macht er eine Wendung nach Nord- osten und beginnt sich in den Erdboden einzusenken. Schnell steigen zu beiden Seiten senkrechte, schwarzgraue Lavawánde, wie von Cyklopen- hánden errichtet, empor, zackig und kantig, mit erkerartigen Vorsprúngcn, so daB man sich in eine GroBstadtstraBe versetzt glauben könnte. Nach ungefáhr xo Minuten wird die rechts liegende Mauer an Höhe niedriger und gibtendlich denBlick auf dieweitéEbenevonThingvellirfrei. Es macht den Eindruck, als tue sich vor dem erstaunten Blick ein neues Land auf. Im Súden dehnt sich weit der buchtenreiche, gröBte See Islands, das Þing- vallavatn, aus. Im Osten wird die Ebene wie im Westen von einer steilen 1 Von ihr neuordings: ,,Af stöv er du kommet." 1918. * ílber iliren Entwicklungs- gang spricht der Verf. ausfiihrlicher in „Iðunn" V, 3, 230. Dort auch Abbildungen mehrerer Werke der Kiinstlerin. 3 Das Bild ist entnommen aus F. Niedner, „Islands Kultur zur Wikingerzeit", dem Einleitungsband zu der im Verlage von Eugen Diede- richsinjena erscheinenden Sammlung „Thule". Leider ist dort cin Irrtum mitunter- laufen; das Bild ist dort (und so auch in unserem Abdruck) als von P. Herrmann stammend bezeichnet, wáhrend es tatsáchlich von Herrn Sanitátsrat Dr. Dierbach aufgenommen ist. 56

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