Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 8

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Blaðsíða 8
dea Appellativa in flússigem Austausch. „Sie zogen nach der vStromhalde und verbrachten an der Iíalde die Nacht und kamen dann nach Halden- ende": dies ist fur uns so lebendig wie der islandische Wortlaut fúr den Isliinder. Setzen wir statt Stromhalde und Haldenende die unverstand- lichen fremden .Schálle, so ist die Anschauung zerstört. — Dazu komrnt das Klangliche. Die unúbersetzten Natnen starren wie tote Flecke aus dem deutschen Vortrag heraus; mit ihren oft so borstigen bautbildern durch- löchern sie fortwáhrend das Band der Sprache. GewiB, ein Teil der Personen- namen tut dies auch; das ist nicht zu ándern. Aber je weniger derlei, uni so besser. Beim Vorlesen der Sagas empfand ich diese klangliche Seite stark; sie hat mir den Ausschlag gegeben. Das laute besen ist der Prúfstein einer guten Verdeutschuug. Uud kommt nun gar ein des Islándischen Unkundiger úber diese Schriftbilder her: Hlidarendi, Skogahrerfi, Hrutafjördr . . . ■ Wers gehört hat, kennt den Greuel der Verwústung! 2. Den Rhythmus der Sagaprosa beizubehalten hat wohl keiu Ubersetzer unternommeu. Wir kennen ihn ja aucli nicht so wie den der Verse; die verháltnismáBige Dauer der Silben, die I.ánge der Pausen, darúber wissen wir nichts Bestimmtes. Wohl wird uns beim verstehenden Vortrag auch der Rhythmus eindrúcklich, und erst mit ihm konnnt ein Satz in unsere Gewalt; weshalb ein Verdeutscher sich den Urtext laut und ausdrucksvoll vorsprechen muB, unter Umstánden ein halb dutzendmal. Allein mit Zuversicht erfassen wir vom alten Prosarhythmus nur die groben Umrisse; es ist Táuschung, wer sich anderes einbildet. Also den Rhythmus nach- formen, wie es Genzmer bei der Fdda erreicht hat, wáre bei der Saga aus- sichtslos. Etwas aber in dieser Richtung können wir tun: auf die Silbeu- , zahl achten, dem deutschen Satz ungefáhr gleichviel Silben geben wie dem islándischen. Als ich die Njala úbertrug, hatte ich fortwáhrend die Finger der linketi Hand in Bewegung zum Silbenzáhlen, und oft fand ich, wenn eine Stelle die rechte Zahl hatte, war sie auch sonst besser geraten. Dieses Verfahren erzieht zur Kúrze und Markigkeit. Ek iók engan mann undir Gísla = „ich habe nicht hinter Gislis Rúcken mit einein anderen Mann stráflichen Verkehr unterhalten": 27 Silben gegen 9, ein Konnnentar, keine Ubersetzung. „Ich triebs mit keinem neben Gisli1': ebenf alls 9 Silben, hat den Tintengeruch verscheucht, klingt freiluftig und volkstúinlich. F,in kleines Plus an Silben wird man detn Verdeutscher meist bewilligen mússen. Ich war schon zufrieden, wenn die Ubertragung nicht mehr als ein Sechstel zufúgte. Auch unterbieten kann man das Islándische hier und da, aber dieser Ehrgeiz scheint mir nicht löblich: er fúhrt zu einem Epi" grammstil, der uns gesucht klingt. 3. Der Satzbau der reiueti islándischen Saga liat die mittelalterliche Kind- 48

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