Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Síða 3

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Síða 3
zuge gebunden, sie zeigen sich aber weniger in der norrönen Eddadichtung als lu den (islándisclien) Sagas, und sie entspringen bei den Kelten (Iren). Sowohl die kaukasischen Sagen wie die altirische Literatur (nebst der öeueren keltischen Volksiiberlieferung) sind tatsáchlich Neuland, das Olrik 1ut die Germanistik entdeckt hat. Beide Einsichten hat er soweit befestigt, da6 wir sie nicht wieder verlieren können. Aber beide sind noch eines be- deutenden weiteren Ausbaus fáhig. Ztmial das ist dem zu friih Geschiedenen uicht vergönnt gewesen, die keltische Einwirkung in gröfierem Zusammen- hange darzustellen. Wir haben von ihm nur Einzelnachweise und kurze Hinweise. Freilicli hat er auch seinerseits Bugge angeregt, dessen spátere Schriften zum Teil sehr deutliche Anfliige Olrikscher Betrachtungsweise zeigen, und der, teilweise im Verein mit seinem Sohne Alexander, manche ^inschlágige Beobachtung von Wert beigesteuert hat. Auch deutsche und schwedische Forscher sind in Olriks Spureu getreten. Jedenfalls ist breite Bahn gebrochen. Die Dinge liegen heute so, daB fiir das Verstándnis der lslándischen Kultur im 12. und 13. Jahrhundert Kenntnis der altkeltischen Fiteraturen als notwendige Voraussetzung erscheint. Weder Ari noch die Rígsþula, weder Eigla noch Njála sind frei von keltischen Einflussen; die Fornaldarsögur sind reich an keltischeu Motiven. Náhere Bestimmung des Wo und des Wann dieser Beeinflussung ist eine dringende Aufgabe. Sie wird mcht ganz zu trennen sein von den entsprechenden Problemen der altfran- zösischen, mittelenglischen und mittelhochdeutschen Eiteraturgeschichte. Auch diese Literaturen haben — unmittelbar und mittelbar — tiefgehende keltische Einwirkungen erfahren, die ebenfalls noch sehr im Dunkelu liegen. Artusroman und Fornaldarsaga werden sich gegenseitig erhellen können. Wie Olrik gezeigt hat, geht die Episode der Hrólfssaga von dem náchtlichen Besuch der Elfin bei König Helgi auf eine keltische (wahrscheinlich hebri- dische) Quelle zurúck; die verfúhrerische áljkona ist eine keltische Meerfee. An einer wohlbekannten Stelle bei Christian von Troyes und bei uuserm Wolfram finden wir die gleiche Episode ganz ins Menschliche und ins Höfische dbersetzt. Solche Fálle lehren die methodische Regel, daB bei motivischen Gemeinsamkeiten zwischen altdeutscher Uberlieferung und islándischer Saga unmer nach dem etwaigen keltischen Archetypus gefragt werden muB. Ein entsprechender Gesichtspuukt findet endlich auch Anwendung auf Grettirs Eampf unter dem Wasserfall und die andern Sagaparallelen zum Beowulf. So hoch die Wichtigkeit der westlichen Quellen fúr den Vorstellungsschatz der alten Nordleute einzuschátzen ist, so wenig wird durch diese neuen Er- kenntnisse der Satz erschúttert, daB die weitaus stárksten Wurzeln der nltnordischen Kultur bei den sprach- und blutsverwandten 'Stámmen im Siiden liegen. Olriks volkskundliche Entdeckuugen haben die Begriffe der

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Mitteilungen der Islandfreunde

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