Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Síða 22
Der Wert der auf den Fáröern beheimatcten 192 Motoiboote wird auf 659 700, der-
jenige der Ruderboote auf 150 755 Kr. angegeben. Im ganzen belief sich der Wert des
Bootmaterials auf etwa 810 455 Kr. Der Wert der Kutter ist nicht bekannt.
2. Dic isldndischen Einkaujsgcnossenschaften (kaupfjelög) habcn sich zu einer ansehn-
lichen Vereinigung (samband íslenzkra samvinnufjelaga) zusammengeschlossen. Es steht
zu hoffen, daB nach Friedenssclilul3 sie auch mit Deutschland zu einem beiderseits er-
sprieBlichen ausgedehnten Warenaustauscli gelangen werden.
3. Ucbcr die wirtschajtlichen Vcrhaltnisse auf Island im Sommer 1917 geben folgende
briefliche Nachrichten Auskunft; der bctr. Brief ist am 28. August 1917 in Reykjavík
abgegangen und Ostcrn (I) 1918 in Deutschland eingetroffen.
Der eine Erwerbszweig der Bevölkerung, der gesamte Fischfang, liegt vollstándig dar-
nieder. Die Kosten des Dorschfangs waren so bedeutend gestiegen (auBer auf kleinen
Ruderbooten), daB dieser vollkommen aufhörte; man hoffte, der Heringsfang im Sommer
werde den Verlust ausgleichen, aber diese Hoffnung erfiillte sich nicht. Der Heringsfang
ist völlig miBgliickt, einerseits wegen des Sturmwindes und der Kálte in der See, anderer-
seits aber hat der Tintenfiscli die Heringsschwarme gestört. In diesem Erwerbszweig
sind viele Millionen angelegt und viele Tausend Menschen werden jetzt brotlos. Dem
Heringsfang haben 20 Trawler und zahlreiclie Motorboote (insgesamt etwa 670) gedient,
und viele Unternehmen werden zweifellos zahlungsunfáhig werden. — Die Finanzen
des Staates verschlechtern sich immer mehr infolge des Ankauís von Transportschiffen
und Waren fiir den Bedarf; die Staatsschulden belaufen sicli auf 7 — 8 Mill. Kr.
Im Winter ist allgemeine Notlage zu erwarten. Zahllose Leute treten in den Winter
ein, ohne sich infolge Geldmangels mit dem Nötigsten versehen zu können; sie sind nicht
in der Lage, ihre Bediirfnisse zu decken, selbst wenn die Waren zu haben sind. Da miissen
die Gemeindearmenkassen eingreifen und fiir diese gibt es wieder keinen anderen Ausweg
als Kapitalien aufzunehmen, wenn sie welche bekommen können. Die gröBte Schwierig-
keit wird die Belieizung der Wohnungen und das Kochen der Nahrungsmittel bieten;
die Scliulen und Sammlungen werdcn geschlossen werden mtissen.
4. Nach brieíliclien und Zeitungsnachrichten war der Winter in Island sehr streng.
Polareis hielt das ganze Nordland von Kap ITorn bis Langanes gesclilossen. Viele Eis-
baren sind geschossen worden. Faxaílói und Breiðifjörður waren zugefroren.
In „Politiken" war zu lesen: Reykjavík, den 12. Jan. Das Wetter ist das kálteste
seit 1881. Wir hatten in den letzten Tagen 18 — 25 C unter Null, es blást ein scharfer
Nordwind. Das Meer ist mit 5 Zoll dickem Eis bedeckt, die Schiffabrt leidet schwer
darunter. Die Eismeldungen von der Nordlctiste sind sehr ernst, ein gewaltiger Sclinee-
sturm hat dort mehrere Tage getobt.
VIII. GRÚNDUNGr EINER GROSSEN AKTIEN-
GESELLSGHAFT ZUR AUSNÚTZUNG DER ISLÁNDI-
SCHEN WA SSERFÁLLE
Schon im Jahre 1908 hatte sich eine islandische Gesellschaft mit dem Sitze
in Norwegen gebildet, deren Zweck die Nutzbarmachung der islándi-
schen Wasserfálle zur Erzeugung elektrisclier Kraft sein sollte. Aucli dáni-
sches Kapital beteiligte sich daran. Zu einer wirklichen Inangriffnahme der
Arbeit aber ist es nicht gekommen; da nun die norwegischen Aktionáre, fiir
die dieses Untemehmen ein Spekulationsobjekt war, ihr Geld zuruckzogen,
wurde der Sitz der Gesellschaft Anfang des Jahres 1917 nach Kopenliagen
verlegt und diese neugebildet. Diese Gesellschaft legte nun der islándischen
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