Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Síða 20
gruppc ist aus ihrer Weltabgeschiedenheit herausgetreten und hat sich viele Errungen-
schaften der Neuzeit zu eigen gemacht, die ihren Einwohnern bessere Lebens- und Er-
werbsmöglichkeiten gebracht haben. Vor drei Jahrzehnten gab es noch keine Kabel
von Danemark und England nach den Faröern, kcin Fernsprecher verband die Inseln
untereinander, Leuchttiirme und Motorboote fehlten ganz und Monate vergingen, ehe
ein Dampfer Passagiere, Giiter und Post dorthin brachte. Bedeutend verbessert haben
sich in dieser Zeit die Erwerbsmöglichkeiten der Inselbewohner. Dies gilt namentlich
fiir die Fiscnerei, die einen besonders groBen Aufschwung genommen hat. Wáhrend im
Jalire 1855, dem letzten Jahre des königlichen Monopolhandels, von den Fáröern nur
4075 Zentner Klippfisch ausgefiihrt wurden, stieg die Ausfuhr 1897 auf 76 000, 1901
auf 103 000 Zentner. Der Wert der Fischausfuhr stieg von 817 000 Kr. im Jahre 1901
auf 2,2 Mill. Kr. im Jahre 1911. Auch die Landwirtschaft hat groBe Fortschritte gemacht,
wenn sie auch infolge des ungilnstigen Klimas und des steinigen Bodens immer hinter
den anderen Erwerbszweigen stark zuriicktreten wird. Rund um alle Ortschaften sind
betrachtliche Flachen Landes kultiviert worden und an zahlreiclien Stellen, wo es Klima
Wind und Boden erlaubten, liat man Baume und Strauclier angepflanzt. Durch man-
cherlei hygienische Einrichtungen, die Anlage von Wasserleitungen und den Bau ge-
siinderer Hauser und Wolinungen hat sich der Gesundlieitszustand der Bevölkerung
gebessert. Wáhrend friiher nur zwei Árzte auf den Fáröern waren, gibt es deren nun
acht. Tliorshavn hat ein Krankenliaus bekommen und nahe der Hauptstadt hat man
ein Sanatorium errichtet. GroB ist aber immer noch die Zahl dcr Ungliicksfálle. In den
Jahren 1879 — 1888 war die Ursache eines jeden 10. bis n. Todesfalles ein Ungliicksfall.
Stark abgenommen hat der Verbrauch alkoholischer Getránke. Auch der meist von
Norwegern betriebene Fang der GroBwale ist zuriickgcgangen und mehrere Walstationen
wurden geschlossen. Viel wurde fiir den Bau von Scliulen und Kirchen getan. Seit 1861
besteht in Tliorshavn eine Realschule, mit der spáter ein Lehrerseminar verbunden wui de.
HANS VON POST, OM FÁRÖARNES UPPKOMST. Geologiska Föreningens
Stockholm Förhandlingar, Bd. 24, Nr. 214, 1902, S. 274 —282 (mit 5 Abbildungen).
Der Verf. hat die Fáröer mehrmals besuclit und dort gcologische Untersucliungen an-
gestellt. Er denkt sich den ehemaligen Krater, dem die Gesteine der Fáröer ihre Ent-
stehung verdanken, dort gelegen, wo heute die Untiefen der Fáröer-Bank sind, also
ungefahr 70 km sudwestlich von Suderö. Ausbriiche von Lavamassen wechselten öfters
mit solchen von vulkanisclien Aschen, aus denen die jetzt zwischen den Basaltbanken
liegenden Tufflagen entstanden sind. Durcli diese Eruptionen entstand ein groBes Land,
von dem die heutige Inselgruppe nur noch ein ldeiner Rcst ist. Die Basalte wurden
wahrscheinlich unter dem Meer abgesetzt. Nach vielen Ausbriichen trat eine verháltnis-
máBig lange Ruheperiode ein, in der die Bánke iiber das Meer gelioben wurden, Basalte
und Tuffe verwitterten und bildeten eine kaolinhaltige Tondecke. Auf dieser entstand
Pflanzenwuclis, der im Laufe der Zeit zur Bildung einer 10—15 m máchtigen Steinkohlen-
formation AnlaB gab. Nach dieser Ruhezeit folgten neue Ausbriiche mit Doleritergiissen,
die sich iiber die Steinkohlentormation legten. In der Eiszeit wurde das Land von
Gletschern oder von Inlandeis bedeckt. Diese haben im Verein mit máchtigen Nieder-
Schlágen Fjorde und Táler ausgearbeitet. Unterstiitzt wurde diese Erosionsarbeit durch
die wenig widerstandsfahige Kohlenformation und die Tufflagen, auf denen die Dolerite
leicht zerstört werden konnten. Auf diese Weise sind die „Hámmer" entstanden, durch
die das Land seinen stufen- und teirassenförmigen Bau erhalten hat. An der Westseite
von Suderö entstanden durch Herabbrechen der auf der Kohlenformation liegenden
Gesteine besonders hohe und steile Hámmer. Ilir hcutiges Relief verdanken die Inseln
vornehmlicli dem Eise der Eiszeit. Unablássig arbeitet an den Kusten die furchtbare
Brandung und diese Abrasion des Mceres bringt den Inseln in geologischer Zeit einen
baldigen Untergang. Besonders starlc ist die verheerende Tátigkeit des Meeres an den
Westkiisten, wo die Wogen des atlantischen Ozeans mit unverminderter Kraft unab-
lássig an der Zerstörung der Fáröer arbeiten.
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