Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Síða 23
Regierung eineu Entwurf vor, wie man vorgehen will, aus dem sich ergibt,
daB es sich nicht in erster rfinie urn ein Erwerbsunternelunen handelt. Der
^slandische Staat soll selbst dabei interessiert werden, indem ilun vom Rein-
ertrag ein bestimmter Prozentsatz abgegebeu werdeu soll. Beabsichtigt ist
zunáchst, das Sog, den Wasserfall des Abflusses aus dem Þingrallavatn, aus-
zunutzen, dessen Wasserkraft auf 50 000 Pferdekráfte berechnet wird. Dazu
Sollen Fabriken erbaut werden, in denen Stickstoff fiir den dánischen und
^slándischen Ackerbau hergestellt werden soll; ferner ist eine Eisenbahn in
Aussicht genomtnen nach dem Þingvallavatn und nach dem Siidostland;
Reykjavík und andere Orte sollen mit billiger Elektrizitát versorgt werden.
Die Aktiengesellschaft besitzt Eigentmn oder NutznieBungsrecht auf zahl-
reiche groBe Wasserfálle, will aber zmiáchst uur deu einen ausnutzen.
Der Ausbau des Sog wird auf etwa 10 Mili. Kr. berechuet, die Eisenbahn
auf 314 Mill. Kr., das benötigte Kapital wird im ganzen auf 20 Mill. Kr. ver-
anschlagt. Ob diese ganze Suinme in Dáuemark aufgetrieben werden kann,
ist nocli mrsicher. Die Gesellschaft scheiut Wert darauf zu legen, besonders
zu betonen, daB es sicli nicht mn ein Unternelunen zu bloBem Gelderwerb
handelt, sonderu es soll beitragen ,,zur Entwicklung Islands und der guten
Beziehungeu zwischen Dáuemark und Island". Denn auch Dánemark werde
den Nutzen davon haben, wenn es Stickstoff nicht aus Norwegen oder aus
Súdamerika beziehen muB.
Die isláudische Regieruug liat den Vorschlag dem Alþingi vorgelegt und
dieses ihn einer Kommissiou úbergeben. Eine Entscheidung ist noch nicht
erfolgt. Die dánische Regierung scheint geneigt, die Sache wenigstens mora-
lisch zu uuterstútzeu. -—-
F,s ist schwer fúr uus, darúber ein Urteil zu haben. Zieht erst der modeme
Fabrikbetrieb in Island ein, dann ist nach der Meinung vieler sachkundiger
Islandfreunde „Finis Islandiae". Sollte es aber nicht anders möglich sein
und Island seine gesunde Eigenart unbedingt verlieren mússen, dann wird
man natúrlich eine Stárkung des dánischen Einflusses begrúBen, besonders
rvenn dadurch der mit so auBerordentlicliexn Raffinement eingedrángte eug.
lische EinfluB abgeschwáclit oder gar geláhmt werden könnte. Wenn aber
gar englisches Kapital sich dort breiter maclien sollte, dann wáre alles aus
und die spátere Erkermtnis könnte dann den Schaden nicht mehrgutmachen.
IX. DIE SYMPATHIEN DER ISLÁNDER
ZQ DEN KRIEGFÚHRENDEN MÁCHTEN
Es ist in diesen stiixmischen Zeiten eiue schwierige Saclie, sich voxx deu
Sympathien eines Volkes ein klares Bild zu machen, und besouders fúr
einen Auslánder, der selbst einer der beiden Parteien angehört. Soll man
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