Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Síða 12

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Síða 12
doch hátte ein Protest wahrscheinlich keinen Erfolg gehabt. Gestattet man doch auch bewaffneten Handelsschiffeu den Aufenthalt in den islándischen Háfen, trotz der Proteste des deutschen Konsuls. Vielleicht sprechen die allierten Beschxitzer der kleinen Staaten mit der islándischen Regienmg eine so deutliche Sprache, daB sie gar nicht anders handeln kann, zumal alle Machtmittel fehlen. MuBte sie sich doch jungst gefallen lassen, daB jeder direkte Briefwechsel mit Dánemark uuterbunden wurde. Das dánische Kriegs- schiff „Islands Falk“, das alle paar Monate eine Reise zwischen Kopenhagen und Reykjavik macht, und zur Zeit die einzige Reiseverbindung fiir Passa- giere ist, erhált nicht mehr die .,Erlaubnis“, Briefpost mitzunehmen, und das gerade seit deu Tagen des Trawlerverkaufs! Da auch die Postverbindung úberEnglaud fast ganz unterbrocheu und durch englischeZensur undU-Boots- gefahr sehr unsicher ist, so befinden sich die Kaufleute in einer áuBerst schwierigen Eage. Hatte der Weltkrieg die islándische Regierung mit dem ihr neuen Gebiete der auswártigen Politik in Fúklung gebracht, so stellte er ihr auch auf dem Gebiete der inneren Verwaltmrg manche neue Aufgabe. Sie muBte die Ver- sorgung des Eandes mit Eebensmitteln imd mit Breimstoff selbst in die Hand nehmen und wurde zum GroBkaufmann und Rheder. Die „Eandssjóðs- verzlun" kauft Mehl, Zucker, Petrolemn, Kolile usw. in groBem MaBstabe, lagert sie in eigenen neu erbauten Eagerháusern am Hafen von Reykjavik und verteilt sie úber das ganze Land. Zum Heranschaffen der Waren wurden zunáchst Scliiffe gemietet, neuerdings hat die Regierung selbst 2 Schiffe gekauft, darunter den bekannten „Sterling". Diese kommerzielle Tátigkeit brachte fúr die Beamten eine erhöhte Arbeitslast mit sich, noch dazu auf einem ihnen fremden Gebiete. Es geht daher auch nicht ohtte manclierlei Fehlgriffe ab und scharfe Kritik wird háufig geúbt. Docli gelang es wenigstens bis jetzt, das Laud vor EntblöBung von einem wichtigen Bedarfsartikel zu bewahren und erhebliche Vorráte fúr die Zukunft aufzuspeichern. Aller- dings billig arbeitet die Staatsmaschine nicht, und zur Aufbringuug der Be- triebsmittel und zur Deckung des Defizits sucht man zur Zeit eine Anleihe von io Mill. Kr. im Ausland aufzunehmen. Urn der vermehrten Arbeitslast Herr zu werdcn, hat mau die Zalil der Minister auf dreierhöht: i.Forsætisráðherra (Premierminister), 2. Viunumálaráðherra (Arbeitsminister), 3. Fjánnálaráðherra (Finanzmimster). Wie der bisherige Minister, werden auch diese auf Vorsclilag der Parteien vom Könige ernannt. AuBerdem lagen dem Alting 1917 zwei wichtige Fragen zur Entscheidung vor, Fánamálið (Frage der Handelsflagge) und Fossamálið (Frage der Ausnut- zmig der Wasserfálle). Das Recht, innerhalb der Dreimeilengrenze unter eigener Flagge zu fahren, 12

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