Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Side 9
englischen Regierung schmeichelte natúrlich sehr denr islándischen National-
stolze und erleichterte wesentlich das Zustandekonunen des Vertrages.
Freilich unter dem Drucke, den England durch Verweigerung der Kohlen-
zuíuhr ausuben konute, war m^i ohnedies zum Nachgeben gezwungen. Wie-
wohl sich bei einer Ausfuhr nach Deutschland oder Skandinavien viel höhere
Preise hátten erzielen lassen, so waren die von der engl. Regierung gewáhrten
Preise doch so gestellt, daB sie trotz der erhöhten Produktionskosten einen
erheblichen Nutzen abwarfen, und daher war auch noch das Jahr 1916 eine
Glanzperiode fúr Island. Infolge der ZwangsmaBregeln ging der úberwiegende
Teil der Ausfuhr nach Kngland, nur der gröBteTeil des Heringsfanges nach
Schweden und Norwegen, und etwas Salzfleisch nach Skandinavien, natúr-
lich nur mit besonderer Genehmiguug Englands.
Da begann Ende 1916 und Anfang 1917 ein anderer Faktor seinen tief
einschneidenden EinfluB auf das islándische Wirtschaftsleben geltend zu
machen, námlich der deutsche U-Boot-Krieg, und zwar mehr noch auf die
Einfuhr, als auf die Ausfuhr, wornit ernste Schwierigkeiten in der Verso'rgung
des Eandes begannen. Als 1915 die Schiffsverbindung mit Skandinavien
unter strenge englische Kontrolle gestellt worden war, trat bald ein Mangel
an vielen Produkten des deutschen GewerbefleiBes ein, besonders an Metall-
und Manufakturwaren, der manchem Islánder erst die Bedeutimg der deut-
schen Einfuhr vor Augen fiihrte. Aber dafúr wurden schlieBlich teurere und
weniger zweckmáBige Ersatzprodukte aus England, Skandinavien und Ame-
rika gefunden. Viel ernster wurde die Eage, als im Herbst 1916 der deutsche
Unterseebootskrieg bedeuteude Erfolge aufzuweisen begaun und die Ver-
sicheruugsprámien und Frachtraten ins Ungemessene stiegen. Zunáchst
trat Knappheit an Kohlen ein, die immer teurer und teurer wurden. Da kam
ganz unerwartet im Februar 1917 die Erldárung des rúcksichtslosen U-Boots-
krieges und der Verkehr mit Skandiuavien stockte vollstándig. Sogleich
machte sich, wie in den anderen neutralen Uandern Europas ein ernster
Mangel an einigen wichtigen Nahrrmgsmitteln fiililbar, und die Regierung
sah sich zur Einfúhrung des Kartensystems fúr Zucker, Brot, Petroleum u. a.
gezwungeu. Dennoch war Island besser daran, als die anderen neutralen
Staaten Europas, da es stets die Verbindung mit den Vereinigten Staaten
aufrecht erhalten konnte. Die beiden Dampfer des Eimskipafélag 'Islauds
..Gullfoss1' und . Goðafoss". welch letzterer im Herbst 1916 durch Stran-
dung an der Nordwestkúste unterging und durcli ein áhnliches Schiff „Uagar-
foss" ersetzt wurde, hatten schon seit Kriegsbeginn mehrere direkte Falirten
nach Amerika unternommen und verkehren jetzt nur noch zwisclien Reyk-
javik und New York. Trotz des inzwischen erfolgteu Anschlusses an die
Allierten mússen sie noch auf jeder Reise den Kanadischen Hafen Halifax
9