Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Síða 26
Theater, denn ich bin doch ein Landsmann und das werden Sie doch einsehen, daC ich
das Stuck von meinem Landsmann sehen will, und jetzt ist es wirklich die höchste Zeit!
Wann komme ich denn wieder einmal mit einem aus Island zusammen ?“
Die Hörer rissen die Augen auf, die Schönheitsdiener JieCen Schaumbecken und
Schere sinken und starrten den Gast aus Island an, den das Schicksal von der nor-
dischen Insel nach Frankfurt verschlagen und der nun heimwehkrank zu seinem Lands-
mann wollte. Es braucht kaum noch gesagt zu werden, daG einstimmig beschlossen
wurde, den „Islánder" sofort bedienen zu lassen. Das geschah denn auch mit unheim-
licher Geschwindigkeit (denn Friseure haben ein menschliches Herz) und der Fremd-
ling sturzte dankbar davon. Die Zuriickgebliebenen aber hatten einen práchtigen Unter-
haltungsstoff. — ck
XI. LITERARISCHES
1. Ende 1917 erschien ein reizendes Bándchen in Reykjavík, das den Titel trágt: Ljóö
eftir Schiller. Alexander Jóhannesson sá um útgáfuna. In diesem Biichlein, das mit
Schillers Bild geschmiickt ist, findet sich eine Sammlung aller bisher und einiger neu
iibersetzter Gedichte Scliillers. Ein Blick hinein zeigt, welche Verdienste Islands bekann-
testeDichter (JónasHallgrimsson, Steingrímur Thorsteinsson, GrímurThomsen, Hannes
Hafstein, Kristján J ónsson) sich um die Einburgerung Schillers bei iliren Landsleuten er-
worben haben. Dank sei dem fleiCigen Herausgeber, derselbst auch redlich beigesteuert hat.
2. 'Arsrit hins íslenska /ræða/jelags i Kaupmannahöfn nennt sich ein Jahrbuch, das seit
1916 erscheint und dessen zwei erste Jahrgánge vorliegen. Die Hefte sind je 128 Seiten
stark, enthalten zahlreiche Bilder und kosten fur Islánder, die auf der Insel selbst woh-
nen, nur je 75 aurar, sonst je.1,50 Kr. Mit diesen Buchern beabsichtigt die islándische
gelehrte Gesellschaft in Kopenhagen, deren Grundung im Mai 1912 zusammenhángt
mit der Vereinigung der beiden Abteilungen der islándischen Literaturgesellschaft (hið
isl. bókmentafélag) zu einem Ganzen, das seinen Sitz in Reykjavlk hat, ihrem Plane
zu folgen, nach dem sie auöer der Pflege der Wissenschaft von Islands Geschichte und
Natur, Literatur und Volkskunde auch populáre Schriften herausgeben will, die sich
mit modernen wissenschaftlichen Stoffen bescháftigen, soweit solche den Islándern
nutzlich werden können. Der Preis des Jahrbuchs ist deshalb so niedrig gestellt, damit
junge unbemittelte Leute aus dem Volke, die oft recht bildungsdurstig sind, sich dieses
kaufen können. Der Inhalt soll möglichst mannigfaltig sein, von Island und von an-
deren Lándern den Stoff nehmen, und nicht nur belehrende populáre Abhandlungen
bieten, sondern auch solche, die zu nutzlicher Betátigung anregen. Uberblickt man
unter Voraussetzung dieser Absichten die beiden Jahrgánge des Jahrbuches, dann muB
man anerkennen, daB sowohl die Vielseitigkeit des Inhalts wie die Wahl solcher Stoff,
fur die allgemeines Interesse zu erwarten ist, den besten Eindruck macht. Das war auch
von den Verfassern der Aufsátze nicht anders zu erwarten: diese sind die bekanntesten
jslándischen Gelehrten wie Tporvaldur Thoroddsen (der uber den Turkologen Sambery
seine Jugend und seine Reisen, sowie úber Sternenkunde belehrt), Finnur J ónsson,
(der uber die altislándischen Balladen und úber Rhythmus und Sprache Bjarni Thóra-
rensens handelt), Halldór Hermansson (der von Ole Worm und dessen wissenschaft-
lichen Verdiensten, besonders was Island betrifít, ausíúhrlich berichtet) und vor allem
B. Th. Melsleð, der úber die verschiedensten historischen und nationalökonomischen
Dinge Nachrichten und Anregungen zum Fortschritt gibt (so den Vorschlag eine Art
Altersversorgung fúr treue Dienstboten u. dgl.). Búcherbesprechungen, Hinweise auf
kúrzlich verstorbene bedeutende Gelehrte usw. schlieBen sich an. — DaB diese Jahr-
búcher auch den Weltkrieg nicht úbergehen können, ist selbstverstándlich und leider
ebenso selbstverstándlich, daB sowohl der Bericht und das Urteil (das man allerdings
aus den gegebenen Nachrichten, z. B. úber das ungluckliclie Schicksal (1) Belgiens,
Polens und Armeniens sich selbst ziehen muB) durchaus auf truben Quellen beruht;
wir haben wieder einen Beweis, daB fur Deutschland in Neutralien einfach kein Ver-
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