Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Side 3

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sonst irgendwo, noch insbesondere iu der Rechtsgeschiclite, was die heipziger Juristenfakultát nicht gehindert hat, den Verfasser zum Dr. jur. h. c. zu uiachen. Die Einleitung zu denZwei Islándergeschichten, dieses Denkmal iutimster Kenntnis der Sagas, beh'andelt zum Teil die gleichen Fragen wie hiuleitungen zu Ausgaben sonst, z. B. Handschriftenverháltuisse, aber sie ist doch ein Ding fiir sich, u. a. weil sie die gangbaren Fragen auf neue Weise scellt und löst. Ain allerdeutliclisten aber ist die Sonderart uuseres Autors auf linguistischem Gebiete, in seinem Altislándischen Elementarbuch. Diese Besonderheit der Heuslerschen Schriften erlaubt eine doppelte Be- urteilung. Zum Teil erklárt sie sicli daraus, daC auf diesen Forscher andere und melir Finfliisse gewirkt haben als auf die Mehrzahl seiner lebenden Fach- genossen. Er liat vor allern ein viel engeres Verháltnis zur álteren Germa- uistik, besonders zu den Briidern Grimm, aber auch zu den álteren nordischen Germanisten und zu Miillenhoff: deren Gesichtspunkte, die vermeintlich ubcrholt, in Wahrheit unverdieut iu Vergessenheit geraten waren, nimmt er wieder auf uud bildet sie iort im tnodernen Geiste. Er blickt freier hinaus iiber die Grenzen des deutschen Sprachgebiets: so ist er, der tnit einer (uoch lieute zitierten) Arbeit iiber den Konsonantismus von Baselstadt promoviert hat, Skandinavist geworden, er hat mit Axel Olrik fruchtbaren Austausch gepilogen und hat als erster erkanut, daB in Ker’s Epic and romauce viel Förderndes steckt. Er blickt aber auch freier hinaus iiber die Grenzen des Fachs, namentlich zur Kunstgescliichte hiniiber, die seine alte, ich glaube seine erste Eiebe war: man braucht nicht viel von Kunstgeschiehte zu wisseu, Um zu merken, daB vieles, was H. Originelles geschaffen liat, auf geschmei- diger Anpassung kunstgeschichtliclier, z. T. speziell Burcldrardtscher Be- Gachtungsweise an den germanistischeu Stoff beruht. Dies íiihrt umnittelbar zum Zweiten. Man kann sehwerlich Kunst und Kunstgeschichte lieben und gewiB nicht Kunstgeschichte treibeu, olme den Flick zu habeu fur Gesamterscheinungen und ohne empfánglich zu sein fúr dsthetisclie Werte. Der Blick fur Gesarnterscheinuugeu — der auch Intuition FeiBen kanu — befáhigte II., eiue Reihe ueuer oder docli stark erneuerter Saminelbegrifíe in die germanische Philologie einzuíúliren und aadurch dem ^ltgermanischen Gebiet eiue wesentlich neue Struktur und gleichzeitig einer Menge von Einzelfrageu (z. B. der nacli den Eiedern der Eddalúcke) ein neues Gesicht zu geben. Ein solclier Sammelbegriff ist der des germanischen Hel- deuliedes mit seiuen Merkmalen liedhafte Kúrze, Dialogtechnik, Ileldenethos 11 • a. uud seinen eddisclren IJnterbegriffen wie doppelseitige uud eiuseitige Frzáhlform u. a. Was wir heute vou dem Wesen der altgermanischen Helden- dichtung wissen, das geht zwar aus von Erkenntuissen Wilhelm Grimms, Glilands, Svend Grundtvigs, es ist gefördert w’orden durch Anregungen Kers i* 43

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