Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Qupperneq 11
hereinspielen, da gibt es andere Riicksichten, und auch Snorris Prosa — in
ívgilssaga, Edda und Königsbuch — debt sich da und dort zu einem mehr
schriítstellerischen T'ormgefiihl.
In diesen Heften hat kiirzlich Fráulein Dr. Erichsen Empfuudenes gesagt
iiber die erzieherischeu Wirkungen der Saga (7, i6ff.). Solche Wirkungen
iibt auch die Sprache. Dos wird verspiirt haben, wer ein paar Jahre mit
den Sagas gelebt hat. Es sind tief innerliche und heilkráftige Wirkungen.
Eiue Verdeutschung, wie sie seiu soll, muB etwas davon ausstrahlen.
líasel, Dezember 1919 Andreas Hensler
III. DIE ÁNDERUNG
DER STAATSRECIITLIOHEN STELLUNG ISLANDS1
In demselben Jahre, in dexn Finnland durch Blut und Eeiden seine Selb-
stándigkeit errungen hatte, konnte auch Island seine staatliche Stellung
soweit verbessern, daB es heute deu funften skandinavischen Staat darstellt.
Denn nach dem neuen Bundesgesetz wird es nur noch durch Königsgemein-
schaft mit Dánemark verbunden, dem auch die Wahrung der auswártigen
Interessen Islands xibertragen ist. Auf allen anderen Gebieten erfreut sich
das Eand vollstándiger Selbstándigkeit.
Zunáchst soll kurz auf die Vorgeschichte des Gesetzes und dann etwas ge-
nauer auf dessen Einzelbestimmungen ehxgegangen werden.
Es war eigentlich nur der Wunsch der Islánder, ihre Flagge auch in fremden
Gewássern zeigen zu diirfen, welcher den AnstoB zu der Entwicklxmg gab.
Die Flagge (Rotes Kreuz, von weiBen Streifen eingefaBt, axxf blauem Grunde),
Welche im Jahre 1915 vom dánischen Könige genehmigt worden war, durfte
náxnlich nur innerhalb der islándischen Territorialgrenzen gefiihrt werden.
DabeschloB 1917 das islándische Althiug einstimmig, bei dem Könige uin die
Genehmigung nachzusuchen, daB diese Flagge von islándischen Schiffen auch
ixn Auslande gefiihrt werden durfe, an Stelle des Danebrog. Der König er-
klárte, daB diese Frage von so tief einschneidender Bedeutung fiir das Ver-
káltnis zwischen Dánemark uud Island sei, daB es ihm nötig erscheine, sich
niit seinem Ministerium und der dánischen Volksvertretxmg daruber zu ver-
stándigen. Mit Spannung, aber ohne Erhitzxmg der Gemuter erwartete man
auf Island den Gang der Ereignisse. Die Zeitxmgen und zahlreiche politische
Versammlungen gaben deutlich zuur Ausdruck, daB es der dringende Wunsch
hes Volkes sei, diese Frage in einem fur Island giinstigen Sinne gelöst zu sehen.
Doch láBt es sich nicht mit Bestimmtheit voraxrssagen, ob es zu einem defini-
tivenBruchgekomxnenwáre,wennmaninDánemarktaubeOhrengezeigthátte.
1 Wenn wir auch iiber diese Frage schon ausíiihrlicher gehandelt haben, diirfte diesse Zu-
sainmenfassung doch nicht unwillkommen sein. Die Schriftl.
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