Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Qupperneq 21
7-iehung gut ausgestattete Ausgabe hat aucli den LebensabriC von Jón Sigurðs-
s°n wieder aufgenommen. Aucli euthált sie etliche IJeder, die iu der álteren
Ausgabe nicht standen.
J. Th. hat kein holies Alter erreicht. Er war geboren in Reykliólar in der
•Barðastrandasýsla und wuchs da auf; gestorben ist er in Eeirá im Borgar-
fjöi ður, 8. Márz 1868, 49 Jahre alt. Zuerst war er Sysselmaun in der Barða-
strandarsýsla und wohnte anfangs auf Flatey, spáter in Hagi; 1862 iiberuahm
er das Amt des Sysselmanu.es in der Borgarfjarðarsýsla und wohnte in Eeirá.
fu der Politik war er ein freiheitlich gesinnter Maun und treuer Anliáuger
Jón Sigurðssons.
Deutsche Eeser, die weitere Auskunf t suchen, finden sie iu den augegebenen
óeutschen Biichern, vor allem aber auch in Poestion, „Islándisclie Dichter
óer Neuzeit" (Eeipzig 1897), S. 4oiff.; auch bei Krichler, „Gescliichte der
isláiidischen Dichtirug der Neuzeit. I.“ (Eeipzig 1896, S. i8ff.)
(Nacli einem Artikel in Eögretta bearbeitet und ergánzt von W. H.)
2. GuQmundur Guðmundsson
Geb. 6. Sept. 1874, gest. 19. Márz igig
uðmundur Guðmundsson war keiner von den Dichtern, die mit Adlers-
.fittichen die Euft laut tosend durchflicgen von einem Gipfel zum andern.
^eine Stimme hallte nieht wider von lármendenr Kriegsgesclirei und Kanrp-
fesfreude. Er erhob siclr nicht mit geschárften Krallen und Nase, unr im
f'Juge auf clie Beute siclr zu stúrzen. Er erhob sich in seiuen Eiederu nicht
von der Erde, um mit den sclrarfen Augen des Habichts iiber alle Himnrels-
Tichtungen Ausschau zu halten. DieTöne in seiner Brust waren nicht geeignet,
die Euft mit lautem Eárnre zu erfiillen. Fels und Meer erzitterten nicht,
Tvenn er sich vernehmen licB. Er war etwas anderes. Er war eine stets sin-
gende Drossel; so sagte er selbst einmal: „eine gequálte Drossel in der is-
iándischen Heide."
Aber diese Drossél sang manchnral so wunderbar bezaubernde, so traum-
Vveiche Eieder in so sanften Tönen und einsclmreichelnden Reinren, daB gar
urancher, ob er wollte oder nicht, vonr Kampf unrs tágliche Brot und den all-
^áglichen Sorgen wegselren und auf diesen harnronischen Sang hören muBte.
Sehr oft erklangen von ilrrenr Zweige Eieder iiber die schönsten wechseluden
Tormen der islándischen Natur. Er sang vou der Strahlenpracht der auf-
gehenden Sonne, vonr F'arbenglanz des Sonnenuntergaugs, von denr feucht-
'dauen Webeu der Dámnrerung, vonr sáuselnden Wind, von der lautlosen
Abendstille und vielenr andereu. Er konnte nicht leben ohne zu diclrten. Das
^ébeir lieferte ihm innner neuen und neuen Stoff, diese wunderbar feinen,
auspruchslosen Töne iiber sein Land erklingen und sie wie einen warnren
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