Mitteilungen der Islandfreunde - 01.04.1920, Qupperneq 30
VIII. MUNKEN
Der Seemann, der sich friilier den Fáröern von Siiden her nálierte, er-
blickte als erstes Anzeichen des I,andes einen hohen Felsen, der sich,
umtost von der Brandung, einsatn aus detn Ozean erhob. Diese wichtige
Landtnarke, die friiher viel beschrieben und abgebildet wurde, war der
Felsen Munken, eine 35 m hohe Basaltklippe. Von der See aus áhnelte sie
einem Schiffe unter Segeln, votn Lande aus soll sie der Gestalt eines einsaut
im Meere stehenden Mönches1 geglichen haben. Dalier liat sie auch den
_ Namen Munken erhalten. Im Jalire 1885 ist dieser Felsen, der 6 knt siid'
lich von der Siidspitze von Suderö, der siidlichsten der Fáröer, unter 6i°
20%’ n. Br. und 6° 392/g’ w. Iv. v. Gr. lag, dem Anprall der Meereswogen
erlegen und zutn gröBten Teile eingestiirzt. Heute ist Munken eine nur
12 111 liolie Klippe, die von mehreren anderen niedrigen Klippen umgebeu
wird. In der geographischen I.iteratur hat dieser Felsen eine gewisse Rolle
gespielt, indem zahlreiche Hypothesen iiber Meereströmungen an die utu
ihn entstelienden Wirbelströme ankniipften. Hier sollte sicli ein von den
Seeleuten gefiircliteter sogenannter Malstrom befinden. Wohl ist die Strom-
see in diesen Gewássern den Booten gefáhrlich, aber die friiher allgemeiue
Annahme eines stándigen Stromwirbels zwischen Munken und Suderö war
stark iibertrieben. Man nannte diesen Wirbel Sumbö-Strom nach deiu
Dorfe Sumbö auf Suderö, der siidlichsten Siedelung der Fáröer.
Muuken wird in allen alten Beschreibungen der Fáröer als eine Besouder-
heit erwáhnt. Zuerst wird der Felsen von Olaus Magnus in seiner Historia
de geutibus septeutrionalibus (1599) beschrieben, wo er ,,de rj'pe MonaclU
mariui" auf der „Insula Farensis" spricht. Auf seiner Karte von Skandi-
navien (Rom 1572) ist Munken ebenfalls gezeichnet. Auf ihr liegt im SudeU
der Inseln Fare (Fáröer) eine hohe und steile Klippe, derMonachus2. Zwischeu
ihr und der Insel liegt ein Schiff vor Anker, das dort gegen die Sttirme
geschiitzt sein soll. Auf derKarte des Nordens der Gebriider Zeni (Venedig
1 Seeleute und Kiistenbewohner sagen liervorragenden Kiistenformen gern ein mensch-
liches Aussehen nach. Bekannt sind der ,,Mönch", ein hoher Felsen vor dcr Siidwest-
kiiste Helgolands, friiher auch „Miincken" oder „Witte Miinck" genannt, und „Old"
man of Hoy", eine liohe íreistehende Klippe auf den Orkneyinseln. Auch vor den Steil-
kiisten der Fáröer stehen solche máchtige Felsgebilde, die man dort Drangar oder Stak-
kar nennt. So ist Bispen (Bispur, Stapin), der Bischof, eine 45 m hohe Klippe vor dcr
Steilkiiste von Ost-Fuglö, Kallur (der Mann) ein 40 m hoher Felsen an der Nordspitze
von Kalsö (daher der Inselname Kallsoy), Konan (die Frau) eine 66 m hohe KlipPe
vor der Steilkuste von Nord-Kunö (daher der Inselname Kunoy), Risin (der Riese).
75 m hoch und Kellingin (die Frau), 73 m hoch, zwei Klippen vor Kollur, der Nord-
kuste von Österö. Der Name Munk ist auf den Fáröern auch in dem Worte Munka-
stova (Mönchsstube) enthalten, womit eine Höhle an der Westkuste von Vaagö und ein
altes Haus in Thorshavn bezeichnet wird, wo zur Zeit der Reformation Geistliche unter-
richtet haben sollcn. a Griechiscli fiovayó;, einsam, alleinstehend.
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