Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 1
Fruhlingslied
Von Hannes Hafstein
Heil dir Wárme, hcil dir Strahl,
Heil euch Friihlingszeiten,
Heil der See und heil dem Tal,
Heil sei allen Weiten.
GruB dir, du mein griinend Jahr,
Gib uns neues Regen,
Treib zum FluB der Fische Schar,
Fiill das Land mit Segen.
Eins soll wachsen allermeist,
Immer Fruchte tragen,
Beste Saat von Gottes Geist:
Glut und Kraft und Wagen.
(Deutsch von Wolfgang Mohr)
Die Islánder
Von Gudmundur Finnbogason
Die hier wiedergegebenen Stiicke sind Abschnitte aus dem
in Heft XX, 3 besprochenen Buch von Dr. Gudmundur
Finnbogason: Islendingar, Eeykjavik 1933.
Lebensanschauung und Glaube
Unser Volk hat zu allen Zeiten Mánner und Frauen gehabt, die ein tiefes und
inniges Glaubensleben gelebt haben. Der Niederschlag solchen Glaubens in un-
serem Schrifttum gehört mit zu dem Besten, was die Islánder geschaffen haben.
Alle Schattierungen der verschiedenen Glaubenserlebnisse sind hier vertreten, je
nach der verschiedenen Art des einzelnen Menschen. Den beiden geistlichen Wer-
ken, die den breitesten Boden im Volk gewonnen haben, den Passionsliedern von
Hallgrímur Pjetursson und der Predigtsammlung von Jón Vídalín, sind drei
Kennzeichen gemeinsam: Glaubensernst, ein groBes MaB irdischer Weisheit und
hervorragende Kunst.
Eigenartig und bedeutsam ist die Geschichte des Christentums in unserem
Lande, davon vor allem auch ihre Anfánge. Die staatliche Anerkennung des
Christentums war eine politische Notwendigkeit; sie geschah unter dem Druck
einer auslándischen Macht und erschien als das einzige Mittel, die drohende Auf-
lösung des jungen islándischen Gemeinwesens zu verhindern. Die Lösung, die
7 Island
93