Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 26

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 26
und lieB den Rauch durch die Nase wieder ausströmen. Dann seufzte ich vor Wohlbehagen. Die Zigarre war ausgezeichnet. Daraufhin begannen wir die Whiskymischung in aller Gemutlichkeit zu trin- ken. Ich lehnte mich an das Kopfende des Sofas, streckte die Beine aus, fiihlte, daB es mir ausgezeichnet ging und lieB meine Gedanken fiir einen Augenblick iiber den Fjord wandern, dorthin, wo sie am liebsten verweilten. Der Doktor zog alle Register. Er sprach von den Japanern und den Russen1, von den neuesten Strahlen, die man entdeckt hatte, und von den neuesten An- schauungen, wie die Menschen den Tod empfanden. Besser als irgend etwas anderes kann ich anderen Leuten zuhören. Mir fallt selbst nie etwas ein, das mir wert erscheint, in die Unterhaltung gezogen zu wer- den. Aber ich möchte fast sagen, daB ich mit groBem Talent zuhören kann. Ich kann mit aufmerksamer Miene schweigen. Und dann kann ich von Zeit zu Zeit ganz kurze Bemerkungen einwerfen, nicht um eine eigene Meinung oder eigene Kenntnisse zu bringen — von dergleichen habe ich nichts zu vergeben — sondern nur, um den Sprechenden auf neue Bahnen zu fiihren, damit die Unterhaltung nicht zu eintönige Formen annimmt, und es dem Sprechenden nicht zu langweilig wird, seine eigene Stimme zu hören. Ich fiihlte mich vorziiglich auf dem Sofa. Insbesondere fand ich es interessant, als der Arzt mir davon erzahlte, wie die Menschen den Tod empfinden. Es ist im- mer etwas angenehm Aufregendes am Tode — wenn er geniigend weit von einem entfernt ist. Und er war so wunderschön weit fort von dem Zigarrenduft, dem Whiskygeschmack und der Sofaruhe. Aber wenn ich meine Gedanken iiber den Fjord zu ihr schickte, von der ich nicht sprechen will — das tat ich ab und zu, trotz aller Aufmerksamkeit — dann zog der Tod in so weite Fernen, daB ich die Schilderungen, wie die Menschen den Tod empfinden, kaum erfassen konnte. Mitten in diesem behaglichen Dusel, der mich umgab und in all diesen Kennt- nissen, die der Doktor iiber mich ergoB, wurde die Tiir plötzlich aufgestoBen. Ich wandte mich .von der Tiir weg, als sie aufgemacht wurde und dachte, daB es eins von den Kindern des Arztes sei. Aber es war der alte Thórdur in Krókur. Ich kannte ihn gut. Er war iiber fiinfzig, ein langer und grobknochiger Mann mit vollem Haarwuchs und einer klumpigen Nase. Ich wuBte, daB er eine Menge Kinder hatte. Einmal war ich auf seinen Hofplatz gekommen. Die Kleinen liefen und trippelten, wackelten, krochen und rollten aus dem Hausgang heraus, um mich anzuglotzen. Mir kam es vor, als ob ich, ahnlich wie bei einer groBen Schaf- herde, keine Zahl in diesem Gewimmel feststellen könnte. Und ich wuBte, daB keiner in der Kate war, der fiir dieses Gewimmel arbeiten konnte, auBer ihm und 1 Die Novelle wurde im Jahre 1905, zur Zeit des russisoh-japanisehen Krieges geschrieben. 118

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