Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 37
von hell beleuchteter Máhne und weiBwolli-
gem Sattelfell sohaumt die ganze Urwuchsig-
keit dieser lieben Tiere. Die darauffolgenden
beiden FluBbilder geben einen guten Ein-
druck von dem Urzustand und der Weit-
ráumigkeit der islandisehen Landsohaft. Vor-
zflghch sind auch die Aufnahmen der Lava-
und Basaltformationen. Als Bilderbuch ist
dieser Streifzug durch die nordischen Lánder
zu empfehlen. R. P.
Eiður S. Kvaran — Dr. Otto Fingerhut:
Lehrbuch der islándischen Sprache.
Greifswald 1936. Universitátsverlag L.Bam-
berg. 125 S. RM 3.—.
Das bereits im vorigen Heft angekflndigte
Lehrbuch der islándischen Sprache ist jetzt
erschienen. „Die Absicht der Verfasser war
zum einen, auf beschránktem Kaume dem
Lernenden ein möglichst klares Bild der is-
lándischen Gegenwartssprache zu geben, und
damit jene empfindliche Lucke auszuftillen,
welche der ganzliche Mangel eines solchen
Lehrbuches in Deutschland darstellte; zum
andem aber glaubten die Verfasser eine wirk-
liche Aufgabe darin zu sehen, den Nachweis
zu erbringen, daB es uberhaupt eine beach-
tenswerte lebendige Sprache gebe, deren
Studium nicht nur lohne, sondern geradezu
den Schlussel zu den bewunderungswurdigen
Schöpfungen der zweistaatlichen Zeit bildet.
Es ist eine Tatsache: welche Hoffnungen und
zugleich welche Unkenntnis verkimden sich
nicht mit dem Namen Island!“ Diese im Vor-
wort ausgesprochene Absichtdes Lehrbuches,
die úber einen Sprachfuhrer fflr Reisebedurf-
nisse weit hinausgeht, ist schon bei diesem
ersten Versuch trotz des beschránkten Rau-
mes und der knappen Passung des Ganzen in
hohem MaBe verwirklicht worden. Das nach
dem úbhchen Schema der Sprachlehrbflcher
aufgebaute Buch ist wissenschafthch stich-
haltig, greift mit sicherem Griff ahes Wesent-
hche heraus und bietet durch die jeweils bei-
gegebenen Ubungsstucke mit dazugehörigem
Wörterverzeichnis gute Möghchkeiten fúr
praktische Schulung. Die Ubungsstucke ent-
halten durchweg praktisch verwertbare Is-
landkunde und Wendungen aus dem prakti-
schen Sprachgebrauch. Jeder Preund der is-
landischen Kultur und Sprache wie jeder Is-
landreisende, der sich die notwendigsten
Sprachkenntnisse anzueignen wflnscht, wird
fur dieses lang entbehrte zuverlássige und
praktische Hilfsmittel dankbar sein.
R. P.
Kleine Naclirichten
Jón Leifs-Konzert in der Berliner
Philharmonie. Am 15. 3. 36 wurden in der
Philharmonie Werke des islándischen Kom-
ponisten Jón Leifs unter Leo Borchardt auf-
geftihrt. Von den vielen gtinstig lautenden Ur-
teilen greifen wir eins heraus:
Der erste Teil des gestrigen Sonntagskon-
zertes der Berliner Philharmoniker war
dem Schaffen des islándischen Kompo-
nisten Jón Leifs gewidmet, der sioh bereits
im vergangenen Jahr dem Berliner Musikpu-
blikum als Schöpfer einer Sinfonie vorgestellt.
hat. Der heute 37 Jahre alte Komponist, der
seine Studien in Deutschland unter der Lei-
tung von Scherchen und Paul Graener absol-
vierte, folgt den Lehren der Atonalitát, die er
allerdings in eigenem Sinne auf die musika-
lische Sprache seiner Heimat flbertrágt. Sein
Ausdruck ist hart und unsinnlich und láBt
nur selten eine Ahnung wach werden von der
anderen, weicheren Seele der Einwohner-
schaft dieser weltabgeschiedenen Insel, die
trotz ihrer Nebel und ihren kuhlen Sommern
doch heimliche Reize ihr eigen nennt.
Einen Einbhck in diese Seele gewáhren die
in Berlin bereits bekannten islándischen Tán-
ze, in denen eine stille Pröhhchkeit mit-
schwingt. Die als Eingang gespielte „Kleine
Trilogie" fflr groBes Orchester trágt die Opus-
zahl 1, kann also als erster gröBerer Komposi-
tionsversuch des fruchtbaren Islánders gel-
ten. Sie wirkt in ihrer eckigstarren Haltung
mehr durch die Wucht der Instrumentation,
als durch die Kraft ihrer thematischen Sub-
stanz.
Einen Einbhck in die eigengeartete Kultur-
atmospháre des islándischen Volkos vermit-
telte die an dritter Stehe gespielte „Island-
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