Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 21
den verstreuten Siedlungsgebieten, die sich um das Hocliland herum gruppieren.
Zu einer Dorfbildung ist es auf dem Lande nie gekommen; dieser Siedlungstypus
wird sich wegen des extensiven Charakters der Wiesenwirtschaf t auch in Zukunft
nicht entwickeln können. Die Anziehungskraft der Fischerei auf die landliche
Bevölkerung war von jeher grofi gewesen. Dieser Entwicklung waren jedoch enge
Schranken gesetzt; solange der Kleinbetrieb der Kiistenfischerei mit offenen Ru-
derbooten vorherrschte, konnte sie nur langsam fortschreiten. Es kam zur Aus-
bildung von geringfiigigen Fischereiplátzen, aber von einer Ausbildung von Han-
delsstadten konnte wáhrend des 19. Jahrhunderts nicht die Rede sein, obwohl
in jedem der ausschliefilich an der Kiiste gelegenen Handelsorte ein bis zwei
Kaufleute und in den gröfieren derselben auch einige mehr vorhanden waren;
eine Ausnahme machte nur Reykjavik, das auch allein zu einer gröfieren Ent-
wicklung gelangte. Die Entwicklung der Stádte mufite sich der Entfaltung der
Fischerei anschliefien.
Die inzwischen noch weiter gegangene Verschiebung im Verháltnis von Land-
und Stadtbevölkerung stellt sich fiir die Zeit von 1880 bis 1928 so dar:
Jahr Stádte Hafenplatze Land
1880 5,0%
1890 7,5% 3,6% 88,9%
1900 12,9% 6,8% 80,3%
1910 21,1% 11,1% 67,8%
1920 30,7% 12,0% 57,3%
1928 39,4% 11,2% 49,4%
In dieser Zeit war die Bevölkerung von rund 72000 auf etwa 105000 gestiegen.
Ihre Zahl, die 1801 47000 betragen hatte, belief sich 1901 auf fast 78500, trotz
der groBen Auswanderung im letzten Viertel des Jahrhunderts. Die Tabelle
bringt deutlich die in diesem Zeitraum stattgefundene radikale Veránderung in
den Siedlungsverháltnissen zum Ausdruck. Die Stádtebevölkerung, die 1880 nur
5 % der Gesamtbevölkerung des Landes betragen hatte, war 1928 auf rund 50 %
gestiegen. Die Zahl der Stádte betrug 1880: 3 mit insgesamt 3630 Einwohnern;
1928 záhlte man 8 Stádte mit einer Einwohnerzahl von 41000, wovon 25217 auf
das inzwischen auf 35000 Einwohner angeschwollene Reykjavik fielen, wáhrend
keine andere Stadt iiber 4000 und nur 3 uber 3000 Einwohner záhlten. Dazu ka-
men 1928: 21 Hafenplátze und Fischereidörfer mit einer durchschnittlichen Be-
völkerung von 300—1200, insgesamt 12000 Einwohnern. Insgesamt betrug so-
mit die Zahl der Nichtlandbevölkerung 1928: 53000 gegeniiber 3630 im Jahre
1880.
Bis zu derselben Zeit, also bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts hin-
ein, wies dementsprechend auch die soziale und wirtschaftliche Struktur des
Landes einen durchaus homogen agraren Charakter auf. Ein selbstándiger Hand-
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