Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 17

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 17
gekennzeichnet, wie die der vorangegangenen Jakrhunderte. Katastrophen, wie Vulkanausbriiche, sind hier unbekannt, ebenso Volksseuchen. Allerdings ist noch einmal in den 60er Jahren die fruher oft so verheerend aufgetretene Schafseuche ausgebrochen, ohne jedoch dieses Mal ein so groBes Unheil anzurichten, wie zu- letzt in den 60er und 70er Jahren des 18. Jahrhunderts, da man jetzt die Krank- heit durch Heilmittel einzudammen und schlieBlich auszurotten vermochte. Auch wurde das Land wahrend dieser Zeit nicht so haufig von akuten Krisenperioden heimgesucht, wie es frúher oft der Fall gewesen war. Die Jahre von 1820—1860 waren im allgemeinen gúnstig fúr die Wirtschaft, besonders die 40er Jahre, in denen sie auch eine nicht unwesentliche Belebung erfuhr. Die darauffolgenden Jahre von 1860—1890 sind dann wieder recht streng gewesen, vor allen Dingen die 80er Jahre. Zu dieser Zeit fand auch ein erneuter relativer Rúckgang statt. Diese schwierige Zeit, die gleichzeitig unter den Folgen der Schafseuche zu leiden hatte, hat auch Veranlassung zu einer umfangreichen Auswanderung nach Nord- amerika (Kanada) gegeben, wie man auch verschiedentlich wegen der allge- meinen, seit 1830 herrschendenUnzufriedenheit mit den politischen Verháltnissen diesen Ausweg propagiert hatte, um der politischen Schikane der Dánen zu ent- gehen. Besonders die 80er Jahre weisen infolge der schwierigen wirtschaftlichen Lage starke Abwanderungsziffern auf. Im ganzen sollen im letzten Drittel des 19. Jakrliunderts ca. 12—15000 Islánder ausgewandert sein, was einen nicht un- wesentlichen Bruchteil der damaligen Bevölkerung darstellt. Dadurch wird es vielleicht verstándlich, daB bis zum Ausgang des vorigen Jahrhunderts noch von keinem wesentlichen Aufstieg der Wirtschaft die Rede sein kann. Die Fischerei hatte zwar durch die Inanspruchnahme von auslándi- schem Kredit ihre Kapazitát nicht unerlieblich gesteigert. Doch ist erst mit der Grúndung einer einheimischen Bank, der Landesbank (1885) — der ersten im Lande — und der Bank von Island (1904) — als der zweiten — die Grundlage fiir einen raschen Aufstieg dieses Wirtschaftszweiges geschaffen worden. An- dererseits kamen die genannten Institute den Geld- und Kreditbedúrfnissen der Landwirtschaft nur in sehr beschránktem Umfange zugute. Die reclit geringen Fortschritte, die hier bis in die allerletzten Jahre hinein gemacht werden koim- ten, sind entweder auf eigene Finanzierung oder vorwiegend auf Staatssubven- tionen zurúckzufúhren. Zwar ist auch die Kapazitát der Landwirtschaft, be- sonders in den letztenJahrzehnten, erheblich gestiegen, obwohl dieBetriebsform, technisch gesehen, eine nur geringe Verbesserung oder Intensivierung erfahren hat. Man geht zwar in der letzten Zeit in zunekmondem MaBe von der Weide- und extensiven Wiesenwirtschaft zur intensiveren Wiesenwirtschaft, d. h. zur Bo- denkultur, úber, jedoch mit wenigen Ausnakmen ohne eine entsprecliende Ver- ánderung in der Viehhaltung. Die Schafzucht, die als die extensivere Form der 8 Island 109

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