Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 2

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unsere Vorváter fanden, war bewundernswert. Die Christen bekamen die Form: die rechtmáfiige Geltung gegenuber der Staatsgewalt und dem öffentlichen Recht. Die Heiden behielten die Freiheit, ihre alten Götter weiterzuverehren, — wenn auch nur im geheimen. Ihr Einverstándnis mit dieser Entscheidung zeigt, wie sie die Dinge ansahen: die Hauptsache fiir sie war die Verbindung eines jeden ein- zelnen mit seinem Gott, die auch jetzt jeder weiterpflegen konnte so wie friiher; es bedurfte keiner besonderen Vorkehrungen, so zu opfern, daB man deswegen nicht belangt werden konnte. Man empfand und bestátigte also, dab der eigent- liche Kern des Glaubens die persönliche Angelegenheit eines jeden einzelnen sei. Auch die Reformation wurde den Islándern von einer auslándischen Macht auf- gezwungen. So hart das viele angekommen sein mag, so schnell versöhnte man sich mit der neuen Glaubensform. Der Grund dafiir war zweifellos der gleiche wie bei der ersten Bekehrung. Die Islánder fanden, dafi keine staatliche Gewalt ihr Verháltnis zu Gott zerreiBen könne, es sei denn mit ihrem eigenen Willen. Alles andere war Formsache. Am merkwiirdigsten von allem aber ist die Tatsache, dafi niemals ein Islánder durch die Hand eines seiner Volksgenossen um seines Glaubens willen sein Leben gelassen hat, da hier niemals fanatische und streitsiichtige Religionsparteien gegeneinander aufgetreten sind. Man wird kaum ein Beispiel dafiir finden, daB religiöse Glaubens- und Meinungsverschiedenheiten das staatliche und mensch- liche Gemeinschaftsleben auf Island jemals ernstlich gestört haben. Es hat wohl Glaubenseiferer gegeben, die versucht haben, durch Wort und Schrift das Volk fiir sich zu gewinnen und die damit auch manchmal Erfolg gehabt haben; aber zu eigentlichen Erschiitterungen hat das nie gefiihrt. Die Leute haben sich das angehört und das davon angenommen, was ihnen zusagte. Die Sache wird immer die gleiche gewesen sein: die Islánder sind zu allen Zeiten der Úberzeugung ge- wesen, daB der Glaube in erster Linie die persönliche Angelegenheit eines jeden einzelnen ist, daB jeder Mensch ohne jede Vermittlung sich an seinen Gott wen- den und Hilfe von ihm bekommen kann; daB die menschlichen Ansichten iiber diese oder jene Glaubenssátze veránderlich sind und es daher jedem Menschen freigestellt bleiben muB, sich zu der Auslegung zu bekennen, die ihm als die ge- máBeste erscheint; dafi religiöse Sitten Formen sind, die man zu achten hat, daB sie aber nicht das Eigentliche ausmachen. Die Islánder haben erkannt, daB der Glaube der beste ist, der sich in guten Taten offenbart. Darum haben sie auch von jeher die Lehrmeister am höchsten geschátzt, die ihnen neben der Glaubens- botschaft brauchbare Lebensweisheit mit auf den Weg gaben. Sie haben immer Achtung gehabt vor ,,denen, die dem Herrn der Menschen gute Taten bringen mit starkem Glauben“. 94

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