Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 22

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 22
werkerstand konnte sich erst mit der Entstehung der Stádte herausbilden, wie auch ein Industriegewerbe erst mit der lcráftigen Entwicklung der Fischerei eine Grundlage gefunden hat. Die Industrieverarbeitung groBen Stils steht immer noch in den ersten Anfángen. Auf dem Gebiete der Weiterverarbeitung der eigenen Produkte sind zu nennen: die Heringsfahriken, die groBe Mengen von Heringen zu Futtermehl und Öl, sowie andere Guanofabriken, die Fischabf álle ver- arbeiten. Fiir die Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte bestehen gegenwártig 3 Tuchfabriken und einige kleine Gerbereien. In Reykjavikund Aku- reyri sind in den letzten Jahren Gewerbebetriebe zur Herstellung von Mineral- wassern, Bier, Margarine, Seifen, SiiBigkeiten, Druckereierzeugnissen entstan- den. Ein einheimischer Handelsstand konnte auch erst spát entstehen, oder zum mindesten doch nicht eher, als die einheimischen Kaufleute den Handel allmáh- lich von Dánemark emanzipiert und dieser mit dem Aufkommen der Stádte einen gröBeren Umfang angenommen hatte. Im Jahre der Aufhebung des Han- delsmonopols 1855 befanden sich erst 58 feste Handelsunternehmungen im Lan- de, von denen iiber die Hálfte (32) in den Hánden von Auslándern waren. Im Jahre 1880 betrug die Zahl der festen Handelsunternehmungen 78, davon waren ca. 45% auslándisch, im Jahre 1927 dagegen war ihre Zahl auf 932 gestiegen, wovon sich nur noch l1/^ % in auslándischem Besitz befanden. Ein eigener Be- rufsstand auf dem Gebiete des Verkehrs konnte erst mit der Entstehung eines eigenen Verkehrswesens aufkommen, und dieses hat sich erst im gegenwártigen Jahrhundert mit der Einfiihrung des Kraftwagens entwickelt. Auch in der Fischerei hat sich in der Zeit des ausschlieBlichen Kiistenfischerei- betriebes, infolge der Unsicherheit dieses Gewerbes, kaum ein eigener Berufs- stand entwickeln können. Mit dem Aufkommen der Hochseefischerei und ihrer Konzentrierung an wenigen Fischereiplátzen aber hat sich diese schnell aus der Berufsvereinigung mit der Landwirtschaft gelöst, was nebenbei bemerkt allein einen groBen Antrieb fur beide Wirtschaftszweige bedeutete, ebenso wie die gleichzeitig einsetzende berufliche Spezialisierung und volkswirtschafthche Ar- beitsteilung im allgemeinen. Folgende Aufstellung zeigt in groBen Ziigen die in- zwischen noch ein gutes Stiick im Sinne der in der Tabelle erscheinenden Ent- wicklung weitergediehene Berufsgliederung der Bevölkerung in den Jahren 1880 und 1920 und illustriert die wáhrend dieses Zeitraumes stattgefundene groBe Veránderung in der Wirtschaftsstruktur des Landes. 1880 1920 1880 1920 Landwirtschaft Fischerei Industrie u. Handw. . .. Handel u. Verkehr 63000 Pers. 8700 „ 1600 „ 2600 „ 43800 Pors. 18700 „ 11200 „ 12700 „ 73,2% 12,0% 2,1% 3,6% 46,2% 19,8% 11,8% 13,2% 66800 Pers. 86400 Pers. 90,9% 91,0% 114

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