Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Blaðsíða 10

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anlaufen. Auf der gleichen Route fahrt auch der Dampfer des dánischen Forenede Dampskibselskab „Island", sowie mehrere kleinere Schiffe, die teilweise in islándischem Besitze sind. Eine so bedeutende Zufuhr half uatiirlich r^ch iiber den drohenden Mangel an Lebensmitteln hinweg und ermöglichte es der Regierung, Vorráte fiir die Zukunft aufzuspeichern, so daB ein Teil des Kartensystems wieder aufgegeben werden konnte. Auch direkt von Dánemark kainen mit besonderer Erlaubnis der englischen Regierung mehrere Dampfer und Segelschiffe. Sie brachten neben Lebensmitteln auch eine Menge anderer Bedarfsartikel, die allerdings jnfolge der enormen Frachten sehr teuer wurden. Schlimmer sieht es mit der Kohlenversorgung und mit der Ausfuhr aus. Der Export nach Skandinavien hat fast ganz aufgehört. Dagegen bringen die Schiffe, welche von England Kohlen mid Salz holen sollen, dorthin die Ausfuhrprodukte des Landes, Fisch, Salzfleisch, Tran und Wolle. Unter diesen Schiffen liaben die U-Boote gewaltig aufgeráumt. Zuuáchst fielen ihnen mehrere norwegische Dampfer zum Opfer, und Mitte Juli kam an einem Tage die Nachricht, daB die beiden Schiffe der F. D. S. „Vesta" und „Ceres", welche im Auftrage der isláudischen Regierung in England Kohlen holen sollten, und auBerdem noch zwei fiir Island bestimmte Segelschiffe ver- senkt worden seien. Kohlennot ist daher das schlimmste Gespenst fur das Land mid ihr sucht man mit allen Mitteln abzuhelfeti. Der Preis von englischer Kohle ist bereits auf 300 Kr. pro Tonne gestiegen (20—25 Kr. vor dem Kriege). Unter diesen Umstánden finden natúrlich die im Lande gewonnenen Brennmaterialien, wie Torf uud Reisig eine möglichst ausge- dehnte Anwendung. AuBerdem hat man auch den Abbau einiger islándischer Kohlenlager in Angriff genommen, so am Stálfjall bei Patreksfjord und Tjörnes bei Húsavík. Doch besitzen diese Kohlen nur den Heizwert einer schlechten Braunkohle, hinterlassen viel Asche und werden infolge der hohen Arbeitslöline und Transportkosten ebenfalls recht teuer, 120—150 Kr. pro Tonne. In Friedenszeiten werden cliese Kohlenfunde kaum eine Rolle spielen und auch jetzt werden nur sehr geringe Quantitáten gewonnen. Enorme Verteuerung derEinfuhr, geringe Preissteigerung fúr die Ausfuhr, das cliarakterisiert die allgemeine wirtscliaftliche Lage des Jahres 1917, die sich gegenúber der Glanzperiode von 1915/16 sehr verschleclitert hat. Zwar machen die importierenden Kaufleute nnd Agenten glánzeude Gescháfte, da sie bei der Knappheit an Waren in der Lage sind, beliebig liohe Preise zu fordern. Schlimm sieht es dagegen fúr die Beamten und mittleren Angestellten aus, deren Gehálter nur wenig gestiegen sind, wáh/end der Lebensunterhalt um fast 100% teurer geworden ist, schlimm auch fúr die Arbeiter und Fischer, die zwar erheblich höhere Löhne erhalten, denen aber in diesem Winter das 10

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