Mitteilungen der Islandfreunde - 01.07.1918, Blaðsíða 13
'var 1915 den islándischen Schiffen vom dánischen Könige pewáhrt worden.
Inzwischen hat sich die Zahl der Schiffe vermehrt und der Nationalstolz der
Islánder möchte gern die eigene Flagge auf dem Weltmeer wehen sehen. Das Al-
hng beschloB d aher, den König um Verleihung einer auch im Ausland anerkann-
ten H andelsf 1 agge zuersuchen, undnoch schweben die VerhandlungeninKopen-
hagen. die sich wahrscheinlich zu einem ernsten Konflikt zuspitzen werden.
Von weittragender wirtschaftlicher Bedeutung aber ist Fossamálið, das
(lie ErschlieBung der bedeutenden Wasserkráfte des Dandes — nach ober-
Háchlichen Schátzungen gleich denen Deutschlands — anbahnen soll. Es
haben sich zwei Gesellschaften gebildet, die eine mit meist dánischem Kapital
Zur Ausniitzung der Sogfálle, die andere mit meist norwegischem Kapital
Zum Ausbau der Wasserfálle der Þjórsá. Beide Gesellschaften beabsichtigen,
Werke der elektrochemischen GroBindustrie anzulegen, sind im unbestritte-
llou Besitz der betr. Fálle und gedenken mit denx Bau sogleich nach Friedens-
schluB zu beginnen. Urn den ungestörten Betrieb ihrer industriellen Tátig-
^cit zu sichern, ersuchten sie das Alting 1917 um die Garantie, daB auf ihre
auszufúhrenden Frodukte keine prohibitiven Ausfuhrzölle gelegt wurden,
■vvoíúr sie zu weitgehenden Konzessionen bereit waren: Sie erboten sich, die
vielbesprochene Eisenbahn von Reykjavik nach dem Súdlande auszubauen
und dem Staate gratis zur Verfúgung zu stellen, die Stadt Reykjavik mit
schr billiger Elektrizitát zu versorgen u. a. Natúrlich konnte eine, fúr die
Wirtschaftliche Zukunft Islands so bedeutmxgsvolle Frage niclit so rasch
eutschieden werden, und vorláufig wurde sie einern Ausschusse zur Prúfxmg
uberwiesen. Anstatt auslándischen Kapitalisten möchte man lieber den Ge-
vviim, der sich aus den Wasserfállen ziehen láBt, dem Lande selbst zuwenden.
Es tauchte daher das Projekt auf, daB der islándische Staat selbst den Aus-
^au unternehmen solle, was viele Millionen erfordern und seine Mittel und
Fáhigkeiten erlieblich úbersteigen wúrde. Wáhrend diese Idee wohl nie zur
Ausfúhrung gelangt, besteht die Wahrscheinliclikeit, daB die Pláne der beiden
Gesellschaften vorláufig zurúckgestellt werden rnússen. Aber in nicht zu
ferner Zeit wird der Ausbau der Wasserfálle doch iu FluB kommen, und danu
hált die moderue GroBindustrie auch in diesem einst so stillen Lande der
Sagas ihren Einzug.
DaB die Unternehmungslust der Islánder wáhrend der letzten beiden J ahre
otáchtig gewaclxsen ist, das beweisen die Veránderuixgen, die nxit der Stadt
Heykjavik vor sich gegangen sind. Der neue Hafen mit Landungsbrúcken
Uud Lagerháuserix ist ausgebaut, auf deixx Austurstræti neue Gescháftsháuser
am Strand groBe Fischtrockenanlagen modernen Systeuxs, alles ein Zeichexx
vlaB auch hier das Rad der Zeit nicht stille steht.
*• Z- Reykjavik. Guslav Funk
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