Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Síða 15

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Síða 15
museum des Nordens sein. Aber wir wollen das Lehrgeld nicht mit unserer kul- turellen Selbstandigkeit bezahlen! Wir miissen uns auf unsere völkische Kultur besinnen, denn nur in der Kultur hatten wir — und haben wir heute noch — eine grofie Aufgabe. Nur wenn wir uns der kulturellen Aufgabe weiterhin als ge- wachsen zeigen, können wir Achtung anderer Völker erwarten. Heute ist unsere Aufgabe diese: die Technik als eine wirtschaftlich aufbauende Macht in den Dienst der Volksgemeinschaft zu stellen und auf dieser Grundlage eine völkische Kultur zu entfalten, wie es in der modernen Welt keine zweite Schicksalsge- meinschaft von 100000 Menschen tut. Ohne die Schwierigkeiten zu verkennen, die diese Aufgabe in sich birgt, wissen wir, daB wir sie lösen können. Wir wollen vor der Fragwiirdigkeit des menschlichen Seins nicht entsetzt zuruckschrecken, sondern die Gefahren erkennen und sie handelnd uberwinden. Unsere Sagas berichten von Waffen, die sich gegen den Trager selbst kehrten, sobald er einen Frevel begangen hatte. Solch eineWaffe ist uns die Technik geworden! Wir kaben im Rausche des auBeren Fortschritts gegen die Kultur und die sittliche Substanz unseres Volkes gefrevelt. Deshalb droht die Zauberwaffe die Wurzeln unserer völ- kischen Kultur, die Familie und den natiirlichen Erziehungssinn, zu zerschlagen. Die Rettung aus dieser Gefahr und die Erfúllung der groBen Aufgabe ist der jungen Generation vorbehalten; deshalb mússen wir heute vor allem darauf be- dacht sein, die Bedingungen fúr eine Familienerziehung im völkischen Sinne wie- derherzustellen und das ErziehungsbewuBtsein des ganzen Volkes zu beleben und zu befruchten. Nicht etwa um die Schule oder die Erziehungswissenschaft úber- flússig zu machen! Gerade die Erziehung in Theorie und Praxis, wie wir sie bei anderen Kulturvölkern studieren können, tut heute bei unserem Volke not. Denn ein Volk muB an seine Jugend glauben! Dieser Glaube ist die Kraft, die alle Nöte der Gegenwart tragen hilft und eine bessere Zukunft nahe erscheinen laBt. Das kúnftige Schicksal eines Volkes errat man am sichersten aus der Ftirsorge, die es seiner Jugend angedeihen laBt. Denn einem jeden Volke wurde in Gestalt sei- ner Jugend ein göttlicher Funke der Ewigkeit geschenkt. Der Strnkturwandel der islándischen Volkswirtscliaft VonBjörnL. Björnsson Hand in Hand mit dem zahen politischen Befreiungskampfe der Islander im 19. und 20. Jahrhundert1 schreitet auch die Entfaltung der wirtsckaftlichen und sonstigen Krafte des Volkes vorwarts. Zunachst allerdings so langsam, daB die Zeit bis zur Erlangung der vollen Handelsfreiheit 1854 und darúber hinaus bis 1 Vgl. hierzu: Reinhard Prinz, Islands Preiheitskampf, in „Island“, XX. Jahrgang, Heft 3 und 4, Dezember 1934/Márz 1935. 107

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