Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Síða 18

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Síða 18
Viehwirtschaft anzusehen ist, behalt noch entschieden das Úhergewicht. Der aufierordentlich empfindliche Mangel an landwirtschaftlichen Krediten hat die Entwicklung dieses Wirtschaftszweiges, dessen Entfaltungsmöglichkeiten wegen der Lage des Landes und dessen Beschaffenheit naturgcma.fi sehr enge Schranken gesetzt sind, stark gehemmt. Die Fortschritte, die hier gemacht worden sind, wurden in erster Linie mit Hilfe einer auf vereinsmafiiger Grundlage beruhenden, durch öffentliche Unterstútzung geförderte Zusammenarbeit der Landwirte er- zielt, wahrend die wohl bedeutsameren Reformen auf dem Gebiete der Ver- arbeitung und Veraufierung der Produkte sich auf genossenschaftlicher Grund- lage vollzogen haben. Wahrend des gröfiten Teiles des 19. Jahrhunderts herrschten aber auch in ge- nau der gleichen Art wie in fruheren Zeiten noch mancherlei Mifi- stande im wirtschaftlichen und sozialen Leben des Volkes. Umherziehende Bettlerscharen bei gleichzeitigem Mangel an Arbeitskraften und niedrigen Löhnen sind die deutlichsten Symptome dafúr, dafi die Genesung langsam vor sich ging. Die die Landwirtschaft frúher besonders schwer belastende Bettler- und Landstreicherplage nahm zwar allmahlich ab, bis sie in ihrer drúckenden Eorm endlich um 1870 herum tiberhaupt aus der Welt geschafft wurde. Die Ar- beitslöhne, selbst die Nominallöhne scheinen wahrend des 19. Jahrhunderts nicht oder nur unwesentlich gestiegen zu sein. Die bis 1892 aufrechterhaltene Dienst- pflicht der Arbeiterklasse drúckte auch dauernd auf die Löhne, mit anderen Wor- ten, verhinderte, dafi eine marktmafiige Lohnbildung sich entwickeln konnte. In den schlechten Lohnverhaltnissen ist wohl auch der Grund dafúr zu suchen, dafi in dieser Zeit haufig Klagen úber Ungehorsam und die Auflehnung der Dienst- boten von den Arbeitgebern gefúhrt wurden. Mit dem Aufschwung der Fischerei vor und nach der Jahrhundertwende stieg dagegen der Lohn recht stark, beson- ders in der Weltkriegs- und ersten Nachkriegszeit. Dieser Prozefi, der durch das Aufkommen von Arbeiterorganisationen in den Stadten und Eischereiplatzen un- terstútzt wurde, hat nattirlich die Landwirtschaft, die wegen ihrer Rúckstandig- keit und geringen Rentabilitat den Konkurrenzkampf mit der nunmehr hochent- wickelten Fischerei auf dem Arbeitsmarkt nicht aufnehmen konnte, sehr schwer getrof f en, zumal hier arbeitsparende Gerate und Maschinen wegen der Eigenart der islandischenBodenverhaltnissenuringeringemUmfangeEinganggefundenhaben. Hinsichtlich der landwirtschaftlichen Besitzverhaltnisse hat die in der letzten Periode stattgefundene Nivellierung des Besitzes in dieser Zeit ihre Fort- setzung in der Weise gefunden, dafi eine allgemeine Hebung des Lebensstandards Platz gegriffen hat, was zwar nicht hindern konnte, dafi durch aufiere Umstande, wie ungleiche Produktionsbedingungen usw., zwischen den einzelnen Landwirten ein erheblicher Vermögensunterschied bestehen kann. Hingegen ist im Gegensatz 110

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Mitteilungen der Islandfreunde

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