Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 35

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Blaðsíða 35
Oskar Bogenschíitze1 und Harald Buchgelehrter2 griffen nach ihren Gewehren und eilten hinaus. Da saB die Bárin gerade vor Oskar Bogenschutze, aber er tötete sie im Nahkampf, und Harald Buchgelehrter schoB das Junge. Am náchsten Tag war Roald Polfahrer miBmutig und schweigsam und iibel dran. Als man ihn nach der Ursache fragte, sprach er: Baest av binne Ristet runer bak Og ei i bringen. Lite kan jeg bryste Mig med arr av bjarneklo. Biest von Bárin Ritzte Runen hinten, Nicht auf der Brust. Kann kaum briisten (mich) Mit Narbe von Bárenklaue. — Und da meinten alle, daB dies wohl gesprochen sei. Biicherbesprechungen Ernst Herrmann: Die mitternáchtigen Lánder. Mit 64 Aufnahmen des Verfas- sers. Berlin 1935. 120 S. (ohne die Bild- tafeln). „Die Lupe des ziinftigen Gelehrten lieBen wir zu Hause, wir schlenderten durch einzelne Lander, nahmen an Eindriicken und Erleb- nissen, wie sie sich uns gerade boten — und begniigton uns mit ihnen.“ Diese Absicht des Buches und die Art ihrer Durchfiihrung ste- hen nicht ganz im riehtigen Verhaltnis zu dem Titel des Buches. Das bunte Geplauder von Erlebnissen, Eindriicken und aller Art klei- nen Tatsachenberichten nimmt einen auf den ersten Bhck gefangen — schheBt man aber das Auge, so bleibt nur wenig zuriick an ein- prágsamer Gestalt und weiterschimmernder Leuchtkraft. Das fest umrissene Wesen be- stimmter Lander láBt sich nicht durch be- hebige Eindriicke und Erlebnisse und nicht durch eine mehr oder weniger behebige Dar- stehung dieser Eindriicke einfangen. So we- nig es fiir einen solchen Fang der Lupe des zúnftigen Gelehrten bedarf, so sehr muB auch in Bericht und Wiedergabe der Unterschied bewuBt bleiben zwischen dem privatver- gnughchen „Schlendern" (es gibt auch eine Kunst des „Sohlenderns", die aber nur ganz grofien Kiinstlern gelingt) und jener höch- sten und darum auch am starksten verpfhch- tenden Eorm des Reisens, in der auch Ernst Herrmann die nordischen Lánder durch- 1 Bueskytte, Beiname des 1. Offiziers Oskar schafthchen Leiters Dr. Harald U. Sverdrup. zogen hat: wandemd und forschend, zu PuB, zu Pferd, mit Zelt und Búchse. Dazu, wenn einem so starke Erlebnisse zuteil werden wie die ein Menschenleben heischende Erfúhung des Traumes des Islanders Gudmundur Ei- narsson. Vor Kopenhagen, Schweden, Phmland, Norwegen und den Faröern nimmt in dem Buche Island den breitesten Raum ein. Ge- schichthches, Wirtschafthches, Kulturclles, Landschafthches, Persönhches ist als Tat- sachenbericht oder Reiseerlebnis in gefalhger Zwanglosigkeit zusammengesetzt. Leider hat sich auch Herrmann trotz seiner vier Island- reisen noch nicht ganz freizumachen vermocht von jener immer noch blúhenden, im Zu- und Abstreichen gleich groBztigigen Island- romantik, die immer wie ein Hohn wirkt gegenúber der wirkhchen GröBe und Eigen- art dieses Landes. Die Besiedelung Islands, ftir uns heute infolge der reichen Uherhefe- rung das bekannteste und eines der grofl- artigsten Zeugnisse germanischer Bauern- siedlung, tut der Verfasser mit den Formeln einer nun allmáhhch mittelalterhch anmuten- den Geschichtsschreibung ab: „Island ist seit etwas mehr als 1000 Jahren bewohnt. Da- mals suchten die Wikinger, wilde Gesellen aus Norwegen, richtige Seeráuber, einen Schlupfwinkel; sie wollten nicht Knechte des máchtigen Königs Harald Schönhaar in Nor- wegen werden, diesen tohen Kerlen war Is- Wisting. 2 Boklaerd, Beiname des wissen- 9* 127

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