Mitteilungen der Islandfreunde - 01.01.1936, Page 39
kann das nur recht sein. Freilich noch wert-
voller fiir uns ist die Feststellung, daC auch
im alten Island die Nordrasse die Rasse der
fiihrenden Geschlechter war: Bestatigung
eines unvoreingenommenen Wissenschaftlers
fiir Erkenntnisse, die wir langst zur Grund-
lage unserer neuen Wertungen gemacht ha-
ben! eod.
Auszeichnung. Professor Dr. Ferdinand
Dannmeyer, Studienrat an der Bismarck-
Oberrealschule in Hamburg und ehrenamt-
licher Leiter des Instituts fiir physikalisch-
biologische Lichtforschung inHamburg wurde
durch den König von Island und Dánemark,
Christian X., durch die Verleihung des Kö-
nigl. Islándischen Falkenordens ausgezeich-
net.
Neben seinem mit groCer Hingabe verwal-
teten pádagogischen Amte (verschiedene
pádagogische Sehriften, Lehrbiicher der Phy-
sik und Chemie [mit Ulmer] zeugen davon)
war D.s besondere Vorliebe, dio Grenzgebiete
zwischen Physik und Nautik und spáter zwi-
schen Physik und Medizin zu bearbeiten. Aus
dem ersten Gebiet stammen „Seelotsen,
Leucht- und Rettungswesen“, seine verschie-
denen Arbeiten iiber Sicht- und Nebelmes-
sung, seine Tiefseelotungen zwischen Nord-
England und Island (letztere mit Georgi zu-
sammen).
1921 wurde D. als physikahscher Mitarbei-
ter an das Allgemeine Krankenhaus Eppen-
dorf in Hamburg gerufen. Hier galt seine
Hauptarbeit zunáchst der physikahschen
Kontrolle der Apparate zur UV.-Bestrahlung
des Menschen, dann dem Rachitisproblem im
ahgemeinen. Dieses fiihrte D. an die Spitze
zweier strahlungsbiologischer Expeditionen
nach Island (mit Georgi und Gmehn) in den
Jahren 1926 und 1927, die sich in verschie-
denen wissenschafthchen Arbeiten auswirk-
ten (siehe Liste). Die dort gefundenen Ergeb-
nisse gaben die Anregung fiir weitere UV.-
Messungen in Nord- und Ostsee und auf dem
Atlantik. Insbesondere aber wurde das licht-
biologischeProblem derGrofistadt behandelt.
Die derzeit geknupften wissenschaftUchen
und kultureUen Beziehungen zu Island wur-
den weiterhin gepflegt. So konnte durch die
damaUge Hochschulbehörde und durch das
Eppendorfer Krankenhaus durch Vermitt-
lung des Lichtforschungsinstitutes eine Schar
von 20 Studierenden der Medizin aus Island
unter Fúhrung von Dozent Dungal durch
Hamburg und durch ganz Deutschland ge-
fúhrt werden. Hier ist besonders Prof. Han-
nessons (Reykjavik) zu gedenken, der diese
Studienreise mit allen Mitteln förderte. Sei-
ner Anregung ist es auch zu danken, daB viele
Herren der Universitát, besonders aber Me-
diziner, nach Deutschland, besonders nach
Hamburg, kamen, um im gegenseitigen Aus-
tausch u'issenschaftlicher Erfahrungen zu
lehren und zu lernen. D. versuchte stets,
ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
D. hat sich z. Zt. mit seinen Mitarbeitern,
insbesondere mit Prof. Treplin, Hamburg,
der physikalisch-chemischen Diagnose Krebs-
kranker zugewandt. Auch auf diesem Gebiet
hat D. Verbindungen mit Reykjavik aufge-
nommen. Seine Arbeiten úber Island finden
sich in nachfolgender Liste, die einen Auszug
aus den rund 80 Arbeiten, die D. pubhzierte,
darstellt.
Islándische Literatur
1. Kurze Bemerkungen úber die Ultraviolett-
strahlung auf Island. Pflugers Archiv 217,
509—510 (1927).
2. Ergebnisse der Deutschen Island-Expedi-
tion 1926/27. Umschau 32. 797—853.
(1928).
3. Die Deutsche Island-Expedition 1927
(Strahlungsbiologische Expedition), mit
Gmelin. Strahlentherapie 33, 770—800
(1929).
4. Die ultraviolette Himmelstrahlung in nörd-
lichen Breiten. Strahlentherapie 35 (1930).
6. Die Island-Expeditionen 1926/27. Deut-
sche Island-Forschung (1930).
6. Ernáhrung in Islands einsamsten Gegen-
den. „Krankenhauskúche“ (1930).
7. Die Deutschen Islandexpeditionen 1926/27,
mit Georgi. Forschungen und Fortschritte
(1932).
8. Eine Hamburger Forschungsreise nach Is-
land. „Der Norden“. 13. Jg. Nr. 4 (1936).
Das tiefste Bohrloch Islands. Bei Rey-
kir in Mosfellsveit, etwa 20 km östhch Reyk-
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