Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 27

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 27
Hauptlager unmittelbar gegeniiberliegende Ufer der Djupá. Der Fluö war durch die tage- langen Regengusse máchtig angeschwollen. tíberhaupt hatte sich die ganze Landschaft in den letzten 14 Tagen unglaublich verándert. Etwa 40 m war die steile Eismauer vorgeriickt und hatte dabei die Djupá zum Teil aus ihrem Bette verdrángt. Der Ubergang iiber die vor uns dahinschieBenden gelben Fluten war jetzt die Aufgabe. Unterhalb des Gletschertores verzweigte sich der Bach in zwei Arme von je 50 m Breite. Dort schien dio Querung am giin- stigsten. Zwei Mann bleiben am Ufer und sichern, der dritte steigt in den Baeh. Langsam tastet er sich mit der Eisaxt iiber Stein und Eisblöcke vorwárts. Da beginnt er zu straueheln und verliert den Stand, die Tauzieher setzen ein und landen ihn 20—30 m unterhalb am Ufer. Nun kommt Wilhelm daran, unser Stárkster. Er dringt am weitesten vor; bis an die Hiiften steht er im reiBenden Gletscherwasser, da wird er von einem anschwimmenden Eis- block sanft geknickt. NaB waren wir die ganzen Tage; denn mit unverminderter Stárke reg- net und stiirmt es. Vor 10 Tagen war es dooh noch besser, da hatten wir bei solchem Hand- werk Sonne, Windstille und Sonne, das fehlte uns jetzt, sonst hátten wir es trotz allem ge- schafft. Allmáhlich wird die Sache doch leicht abenteuerhch. Wir planen und versuchen immer wieder von neuem. Es wáre so verdammt schön gewesen, driiben im Hauptlager bei Butter, Schokolade, Zueker und „allen Herrlichkeiten dor Welt“. Es war so elend langweilig, mit leerem Magen den ganzen Tag im nassen Zelt zu sitzen, um die Stábe zu stiitzen, damit sie der Sturm nicht knickt. Morgen sollte uns der Bauer driiben abholen, daher war fiir den folgendon Tag friihmorgens der Ubergang nochmals angesetzt. Wir reclmeten auf Nach- lassen der Schmelzwasser und Regenfálle. Die lange Nacht hatte ihre besonderen Reize gehabt, und diese kosteten uns Nervenkraft. Der Zoltboden war absolut wasserdicht, und so sammelte sich der durch das Zeltdach gepreBte Regen in einem ansehnlichen See. Erst schöpften wir mit Trinkbechern aus, kochten auch Tee und Kakao. Zwei waren die ganze Nacht mit Arbeiten am Zelt bescháftigt, wáhrend der dritte abwechslungsweise zu schlafen versuchte oder etwas Kakao aufwármte. Spáter ging auch dieses nicht mehr, da die wenigen sorgfáltig trocken gehaltenen Streichhölzer in der sticldgen Luft erloschen. Endlich brach der Morgen an, aber da wálzten sich die Fluten gewaltiger denn je am Zeltplatz vorbei. Ein •neuer Versuch war vollkommen zwecklos. Gegen 10 Uhr kam der Bauer mit seinom Sohne. Sie gaben uns Zeichen, denn bei solchem Sturm und Wassersturz war kein Wort zu ver- stehen. Ubor den EngpaB, durch den die Djupá in tosendem Wasserfall stiirzt, seilten wir das Gepáck hinuber. An unseren gestrigen Watstellen wollte er uns tiberholen, aber es war der gefáhrlichen Quicksande wegen selbst mit den Pferden unmöglich. Er hátte alles aufs Spiel gesetzt. Jetzt seilte er uns einen Sack mit Butter, Schaffleisch und Pfannkuchen herúber, dann beschrieb er mit der Hand einen groBen Bogen, nach Súden weisend. Wir ver- standen. Unten an der Djupá, in der Náhe des Meeres, wo die einzige Ubergangsstelle war, wollte er uns holen. Nach einem halbtágigen Marsch auf dem linken Ufer muBte er uns von unten entgegenkommen. Den Weg kannten wir nicht, wuBten nur, daB er áuBerst zerkltiftet ist und nicht begangen wird. Wir gingen úber Berge, kletterten durch Klamme und tiber- querten Báche. Die Nebel brodelten um uns, und nur selten gewábrten sie einen Blick auf die langsam zurtickweichende Eisfront und ihre Berge, die wie sckwarze Insoln aus dem Eise emporwuchsen. Wir hatten uns warm- und wundgelaufen, als gegon 10 Uhr in der Nacht ein reiBender Bach uns den Weg versperrte. Es war nicht ratsam, den Ubergang in der Nacht zu versuchen, und so besehlossen wir, im Freien zu náchtigen. Aber da befállt uns plötzlich eine seltsame Unruhe. Wir wissen, dafi Stefan uns liolen wird, sptiren förmlich, daB er nahe sein muB. Wir brtillen in die Nacht hinaus, aber sie verschluckt unsere Rufe . . . Da löst sich nach geraumer Zeit eine Gruppe aus der Dunkelheit und strebt durch das Wasser unserem Standort zu; Stefan ist es mit seinem Sohne. Die Spannung der letzten Tage ist gelöst, nun folgt ein Nachtritt eigenartiger Schönheit durch Báche und tiber die herbstliche Heide, auf der im Mondlicht die Pferde grason. 187

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