Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 38

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 38
Katastrophe. Brynjolf.derHerr aufSkalholt, der das ganze Sudland in seiner Gewalt hat, derdurch seine MaehtdasSehicksaldes Landos mitformen kann, der hart sein muC um eincs Zieles wiilen, ist am hártesten seinem geheb- ten Kinde gegeniiber. Es hegt eine Tragik um ihn, die uns stark fiir ihn einnehmen kann; und doch wiinschen wir Ragnheiðurs Schick- sal das Gliick. Sie stirbt jung an einer schlei- chenden Krankheit, die so behutsam — viel- Ieicht zu behutsam — den Kampf von ihren Schultem nimmt. Die Menschen und ihr Leben und Kámpfen stehen groB und wuchtig vor uns. Kambans Erzáhlstil, der herb und holzschnittartig, aber auch von groBer Zartheit sein kann, wird dem groBen Stoff gereeht. Wer dieses Buch gelesen hat, wird noch lange danach in seiner zwin- genden Gewalt stehen. N. P. Kristmann Gudmundsson: Morgen des Le- bens. R. Piper&Co., Miinchenl934. 350S. Es ist das Buch um Haldor, den jungen Is- lánder, ein Buch starker Leidenschaftlich- keit und Naturnáhe. In alle Höhen und Tie- fen dieser Mannesseele dringt immer wieder Kraft und Geruch des Meeres, das sie geformt und nun nicht wieder freigibt. GroB und ge- wagtistimmer wiederdasKráftespielzwischen dem Menschen und seinem Naturraum, dem Meer. — Haldor, ein jungor Nordlánder und Eischer aus altem Geschlecht, kommt einer verlorenen Liebe willen ins Siidland, um hier sein Leben neu aufzubauen. Es ist scliwer fiir ihn, —■ in den Augen der Siidlander ewig der Fremdling —, hier festen PuB zu fassen. Doch zu seiner Unerschrookenheit und Pahigkeit, die alle bewundem miissén, kommt ein gut Teil Gluek. Es ist das Gliick dieser Sonntags- mensohen, dieser Bejaher und alles mit wei- tem Herzen Umfassender, das ihn zu dem Besten der Landschaft macht. Das Boot sei- nes Hofes bringt er aus tausend Gefahren heim, es verschafft ihm Wohlstand. Er findet eine Prau, die ihn Heimat und Jugendge- liebte vergessen macht, die gesunde, stolze, liebestarke Salvör. Mit ihr könnte er sein Leben zwingen, sie wiirde in ihrer Tiiehtig- keit den Wohlstand mehren. Wie aber Hal- dors Sinn jedem GroBen geöffnet ist, so ist er es auch jeder groBon Verwirrung: er nimmt ein anderes Weib, ein hauchzartes Klind fast noch, das nichts hat und jemals zu geben ver- spricht als ihre Liebe. Salvör geht stolz ihren Weg, der nun nichts mehr kennt, als den Ge- liebten zu schádigen. Sie vermag es als reiche Prau des dánisehen Kaufmanns. Liebe ver- wandelt sich in bitteren HaB. Das Gluck ver- láBt Haldor, sein stolzer Sinn muB durch tief- stes Leid. Maria enttáuscht ihn, er empfindet bald, daB ihre Liebe nur eine schattenhafte ist im Gegensatz zu Salvörs tatfreudiger. In den Kindem Haldors auf der einen und Sal- vörs auf der anderen Seite spielen die Span- nungen der Eltern weiter. Aber wunderbar zart schmiedet das Schicksal eine neue Liebe zusammen: Ragnar, Salvörs Solm, liebt Hal- dors schöne Tochter Gunna. Diese Liebe bliiht, wáhrend Schlag auf Schlag Haldors Herz zu zermiirben droht. Mehr noch als der Verlust seiner PiiBe nach unmenschlich tap- ferer Haltung bei einem Schiffbruch, mehr noch als die vernichtendste Armut, trifft ihn die Treulosigkeit Ragnars, zu dem ihn eine starke váterliche Neigung hinzieht. Wird Haldors Herz wirklich zerstört, wird sein stolzer Sinn wirklich klein ? Nein, immer wieder erhebt er sich zu seiner eigensten gro- Ben Haltung! Immer kommt Emeuerung dem Einsamen, dem Premdling im Dorf, aus der Náhe und Unmittelbarkeit des Meererleb- nisses. Als er zuletzt erfáhrt, daB Ragnar sein und Salvörs Sohn ist, den sie nach ihrer Tren- nung geboren, erfiillt ihn das mit unendlichem Gliick. Nichts ficht ihn an, kein Kranksein und kein Altem, denn aus ihm wird ein star- kes Geschlecht kommen — in wunderbarem Verbundensein mit der Erde seiner Kiisten- landschaft geht er frohen Sinnes in den Tod ein, innerlich versöhnt mit allen, die ihn haB- ten, aueh mit Salvör, deren Leben und Schick- sal sioh im Sohne noch einmal stark und ver- heiBend zu ihm wendet. Ein schönes, packendes Buch, begliickend auch durch seinen schlichten, kernigen Stil, der sich manchmal zum Sagastil verhártet — ein Buch, das sicherlich vielen von uns die Mensehen und die Landschaft Islands náher bringen wird. N. Pr. Thule. Sagas von altgermanischen Bauern und Helden; iibertragen und bearbeitet 198

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