Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 30

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 30
Um tiber die dánische Auffassung von der Stellung des islándischen Gesandten in Kopen- hagen Klarheit zu bekommen, habe ich mich an den dánischen Gesandten in Stockholm, Graf Reventlow, gewandt. Dieser hatte die Liebenswiirdigkeit, mir folgende, beim dáni- schen AuCenministerium eingeholte Aufklárung zu erteilen: „Islands Gesandter in Kopen- hagen nimmt dieselbe Stellung ein wie Gesandte anderer Lánder; aber da Seine Majestát gleichzeitig König von Island ÍBt, empfángt der Gesandte seine Emennung durch ein Kgl. Bestallungsschreiben1." Mit Obigem glaube ich klargelegt zu haben: der islándische Gesandte in Kopenhagen ist Diplomat und Mitglied des dortigen diplomatischen Korps. Er ist seiner Rangstellung nach Gesandter (Envoyé), ernannt vom König von Island; aber weil dieser dieselbe physische Person ist wie der König von Dánemark, ist dor Gesandte durch ein Beglaubigungsschreiben des islándischen Ersten Ministers an den dánischen AuBenminister akkreditiert. Die islándisclie Landesbibliothek VonHildegard Bonde Unter den Bauten, auf die der Besucher Reykjavíks bei einom Rundgang durch die Stadt zuerst aufmerksam wird, befindet sich das sogenannte Sammlungshaus (Safnahúsid). Nicht nur in architektonischer Hinsicht vermittelt das stattliche weiCe Gebáude in der Hverfisgata dem Auge des Beschauers einen angenehmen Eindmck, auch die Schátze, die es in seinem Innem birgt, bilden den Anziehungspunkt der Einheimischen und Eremden. Sind doch hier wertvolle Kulturgiiter aller Art unter einem Dach vereinigt: Funde von Ausgrabungen legen Zeugnis ab von lángst verklungenen Zeiten; Schnitzereien und Webereien zeigen, was islán- discher HausfleiC im Laufe der Jahrhunderte vermocht hat; bildliche Darstellungen, Hand- schriften und Búcher fúhren in die Vergangenheit der Insel und ihrer Bewohner ein; nicht zu vergessen die Gegenstánde, die ein anschauliches Bild von der Natur Islands entrollen. Vior verschiedene Institutionen sind zur Zeit in dem 1906—1908 errichteten Sammlungsgebáude untergebracht: die Landesbibliothek (Landsbókasafn), das Landesarchiv (Landsskjalasafn), das Nationalmuseum (Þjódminjasafn) und das Naturhistorische Museum (Náttúmgripasafn). Hierbei macht sich freilich ein ompfindlicher Raummangel bemerkbar, und besonders das Museum hat darunter zu leiden und harrt der Zeit, wo es — sofem dieses Projekt zur Aus- fúhmng gelangt — in den fúr Theaterzwecke errichteten, aber nicht benutzten Bau úber- siedeln kann. Auf diese Weise wúrde dann freier Raum entstehen und etwa zugunsten der Bibliothek, die — wie alle Bibliotheken — in stetem Wachsen begriffen ist und daher erweitemngsfáhig sein muC, verwertet werden können. Die Ráumlichkeiten der Landesbibliothek nehmen im wesentlichen den mittleren Stock des Gebáudes ein. Da liegt zunáchst der zweckmáBig und zugleich schön eingerichtete Lese- saal mitgroCen, hellen Fenstem, die einen wunderbaren Ausblick úberden blauen Fjord und die úber ihn emporragenden Berge gewáhren. An lichten Sommertagen, wenn Sonnenschein die Landschaft úberflutet und den toten Gesteinsmassen die práchtigsten Farbentöne ver- leiht, genieCt man von hier aus ein unvergeCliches Bild. 40 geráumige Arbeitsplátze und eine Handbibliothek, die die bedeutendsten Nachschlagewerke aus allen Wissensgebieten enthált, 1 Brief vom 6. August 1934. In demselben Schreiben wird mitgeteilt: „Die fremden Ge- sandten in Kopenhagen sind bei Seiner Majestát als König von Dánemark und Island akkre- ditiert." Das zeigt also Islands passives Gesandtschaftsrecht. — Es wúrde nichts dagegen sprechen, daC eine fremde Macht einen Gesandten nur beim König von Island akkreditierte. So ist es in gewissen Fállen betr. Hannover geschehen, als dieser Staat in Personalunion mit England vereinigt war. 190

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