Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 32

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 32
beim dánischen Buchhándlerverein anzufordem, und alljáhrlich iiberreicht sie diesem ein Verzeichnis der von ihr ausgewáhlten Publikationen. Werfen wir nun einen Blick auf die Grundung und Entwicklung der Landesbibliothek, die im Jahre 1918 ihr hundertjáhriges Bestehen feierlich begehen konnte1, so stellt sicli heraus, daB cs hauptsachlich Auslánder waren, die sich um ihr Zustandekommen bemúhten. Dem Generalsekretár der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, Friedrich von Schlichtegroll, gebúhrt das Verdienst, als erster den Gedanken geáuBert zu haben, auf Island „eine alle Fá- cherder Wissenschaft umfassende Bibliothek“ ins Leben zurufen. Dieser Aufgabe sollte sich, wio er in einem an den Bischof von Seeland, Friedrich Múnter, gerichteten Brief vom 28. Au- gust 1817 naher ausfúhrte, eine „Societas literaria" unterziehen, die ihrerseits wieder mit einer „Societas Islandica“ in Kopenhagen in Verbindung stehen sollte. Wenn der Gesell- schaftsplan Schlichtegrolls gerade kurzo Zeit vorher mit der Grúndung der Islándischen Lite- rarischen Gesellschaft (Hid íslenzka Bókmentafólag) in Reykjavík und Kopenhagen durch Rasmus Rask verwirklicht worden war, so glúckte es Carl Christian Rafn, denBibliotheks- gedanken in die Tat umzusetzen. Mit unermudlichem Eifer begann er, fúr die geplante Biblio- thek zu werben und Búcher zu sammeln, deren Verzeichnis er an die eben gestiftete Litera- rische Gesellschaft gelangen licB. Diese wiederum setzte sich mit dem Bischof Geir Vídalín zwecks Aufstellung der Búcher ins Benehmen und erhielt mit emem Dankschreiben am 28. Au- gust 1818 die Nachricht, daB bei der Kanzlei die Einrichtung eines besonderen Raumes auf dem Boden der Domkirche beantragt worden sei. Zugleich wurde in das Register zum Brief- buch des Bischofs die Notiz aufgenommen: „Die Stiftsbibliothek gegriindet“. Allerdings wáhrte es nochgeraume Zeit, bis die Búcherspenden Rafns in Reykjavík eintra- fen und ihrer Bestimmung úbergeben werden konnten. Gar manohe Schwierigkeit muBte der Stiftsamtmann, der die Bibliothek zu betreuen hatte, úberwinden, bis alles in FluB kam. Rafn unterstútzte ihn nach Kráften. Neben Búchern und Zeitschriften brachte er auch Geld- mittel zusammen und konnte so einen festen Fonds schaffen, der 1835 schon auf 1385 Reichs- taler angewachsen war. Ankáufe wurden aus den eingehenden Leihgeldern — jeder Entleiher muBte eine jáhrliche Gebúhr von 48 Schillingen entrichten —getátigt. Von Wichtigkeit fúr die Geschichte der Bibliothek ist die Berufung und Anstellung eines festen Bibliothekars. Diese wurde erforderlich, als die Búcherbestánde, die wegen Bauarbeiten in der Domkircho eine Zeitlang in der Latcinschule eine Unterkunft gefunden hatten, von neuem aufgestellt werden muBten. Weiter war die Abfassung eines Kataloges der inzwischen angeschwollenen Buchmassen wúnschenswert. Beide Aufgaben wurden dem Studenten Jón Árnason in Reykja- vík úbertragen. Jón Árnason, der sich auch in Deutschland durch die Ausgabe der von ihm in langer, anhaltender Arbeit gesammelten „Þjódsögur og æfintýri“ einen Namen gemacht hat, widmete sich seiner bibliothekarischen Tátigkeit mitgroBem Eifer. Nur seinen ununter- brochenen Bemtihungen ist es zu verdanken, daB die Regierung durch Bewilligung von Geld- mitteln die Bibliothek untersttitzte. Uber 20 Jahre versah er sein Amt, bis er endlich 500 Reichstaler zur Durchfuhrung des Kataloges und Erweiterung des Lokales erhielt. Noch weitere 5 Jahre dauerte es, bis der Staat 1875 erstmalig einen festen Etat in Höhe von 400 Kronen jáhrlich aufstelltc. Unter Jón Ámason erfuhr die Stiftsbibliothek erhebhche Be- reicherungen. Daniel Willard Fiske, der bekannte Islandfreund, und die Smithsonian Insti- tution machten ihr laufend gröBere Zuwendungen, Fiske u. a. seine 1200 Bánde umfassende Sammlung von Schachliteratur. Aus Schweden gingen ihr umfangreiche Sendungen zu, und wcnn in den ersten Jahren ihres Bestehcns der deutsche Buchhándler G. Fleischer in Leipzig „auf Veranlassung des Herrn Baron de la Motte Fouquó“ Bticher tiberwies, so sandte jetzt Ileinrich Brockhaus Jahre hindurch seine Spenden. DaB auch anláBlich der Tausendjahrfoier der Besiedlung Islands im Jahre 1874 zalilreiche Werke eingingen, nimmt nicht weiter wun- 1 Vgl. dio bei diesem AnlaB erschienene und von Jón Jacobson bearbeitete Festschrift: Lands- bókasafn Islands 1818—1918. Minningarrit. Reykjavík 1919—20. 192

x

Mitteilungen der Islandfreunde

Beinir tenglar

Ef þú vilt tengja á þennan titil, vinsamlegast notaðu þessa tengla:

Tengja á þennan titil: Mitteilungen der Islandfreunde
https://timarit.is/publication/323

Tengja á þetta tölublað:

Tengja á þessa síðu:

Tengja á þessa grein:

Vinsamlegast ekki tengja beint á myndir eða PDF skjöl á Tímarit.is þar sem slíkar slóðir geta breyst án fyrirvara. Notið slóðirnar hér fyrir ofan til að tengja á vefinn.