Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Side 46
ihm gelungen, mit einem schwedischen Ban-
kenkonsortium das Kraftwerkprojekt zu ver-
wirklichen.
Die gesamten Anlagen werden 7,ö Milhonen
islándischer Kronen erfordem. Die Kraft-
station wird zwei Maschinenaggregate (Tur-
binen) von je 6250 PS erhalten. Die Kapazi-
tat kann spater gegebenenfalls auf 25000 PS
gesteigert werden. Vom Wasserfall LjósafoC
wird die elektrische Energie mit Hilfe einer
50 Kilometer langen Hochspannungsleitung
nachReykjavik uberfiihrt, wo eineUmformer-
Station errichtet werden soll. Man will mit
diesen Anlagen der islandischen Hauptstadt
hinreichende und bilhge Elektrizitat vermit-
teln und daruber hinaus eine Grundlage fiir
die Versorgung des gesamten siidwesthchen
Islands und der Westmánner-Inseln mit Licht
und Kraft schaffen.
Diese ErschheBung der fiir die islándische
Wirtschaft wichtigsten Teile wird sicherlich
fiirdie bestehendcn Industrien neue Antriebs-
möghchkeiten schaffen und den verschiede-
nen geplanten Neugriindungen — Fischkon-
servenfabriken usw. — zugute kommen. Es
braucht nur an die Veredelung der wichtig-
sten islándischen Exporterzeugnisse — der
Fischereiprodukte — erinnert zu werden.
Die Finanzierung geschieht durch eine An-
leihe in Höhe von 5,7 Millionen schwedischer
Kronen. Es ist eine offiziehe Obhgations-
anleihe der Stadt Reykjavik, die von dem
islándischen Staat garantiert wird. Davon
sind im Vorwege 700000 schwedischer Kro-
nen bereits placiert worden. Das aus Stock-
holms Enskilda Bank, Skandinaviska Kredit-
aktiebolaget und Svenska Handelsbanken
bestehende Bankenkonsortium hat die Emis-
sion der restlichen 5 Milhonen schwedischer
Kronen zu einem Kurs von 97% ubernom-
men. Die Verzinsung betrágt ‘i1/2%. Die An-
leihe fand auf dem schwedischen Markt eine
denkbar gúnstige Aufnahme, ein Beweis fiir
das Vertrauen, das die schwedische Wirt-
schaft dem neu aufblúhenden Inselstaat im
hohen Norden entgegenbringt. Dic Anleiho
ist in kúrzester Frist úberzeichnet worden.
Der Bau des Kraftwerkes selbst ist von
einer norwegischen Ingenieurfirma ausgear-
beitet worden, die auch den Bau leiten wird.
Die Maschinenheferungen erfolgen durch die
schwedische Firma Asea, wáhrend die dani-
sche Firma H0jgaard & SchultzUntemehmer-
arbeiten in Höhe von 2 Milhonen islándischer
Kronen ausfiihren wird. Mit den Arbeiten
wird bereits im Friihjahr begonnen werden.
Man erwartet, daB die Kraf tstation im Herbst
1936, spátestens im Sommer 1937 fertig-
gesteht sein wird.
Nach Auffassung von Biirgermeister Thor-
láksson hesteht fiir den Bau des Kraftwerkes
kein finanziehes Risiko, da das kleine Elek-
trizitátswerk, uber das Reykjavik jetzt ver-
fúgt, schon einen jáhrhchen UberschuB von
500000 bis 600000 Kronen abwirft. Bedauer-
licherweise gelang es nicht, auch die deutsche
Wirtschaft an diesen groBzúgigen Projekten
zu beteiligen. Obwohl man auf islándischer
Seite eine Zusammenarbeit mit Deutschland
in diesen Fragen gern gesehen hátte, gelang
es nicht, die Finanzierungsvoraussetzungen
in dem Umfange zu schaffen, wie es bei der
Höhe des Objektes und den beschrankten
Mitteln der Stadt Reykjavik notwendig war.
Island erwartet mit der Fertigstehung die-
ser Kraftanlage den Beginn einer neuen Ara
ftir seine wirtschafthche Entwicklung, und
man kann nur wtinschen, daB die Hoffnun-
gen, die die Islánder an dieses von grofiem
Mut und jugendhchem Untemehmungsgeist
zeugende Projekt knúpfen, voll und ganz in
ErfúUung gehen mögen.
Italiens Einfuhrbeschránkungen fúr
aUe auslándischen Erzeugnisse, die im Fe-
hruar von der itaheniscehn Regierung an-
gekúndigt wurden, haben auf Island groBe
Besorgnis hervorgerufen, da fast Ua der ge-
samten islándischen Fischausfuhr bisher nach
Itahen ging. Der VerlustdiesesMarktes wúrde
dadurch besonders schwerwiegend, daB die
Itahener die hauptsáchhchen Abnehmer ftir
Kleinfisch sind, der auf anderen Markten nur
schwer abzusetzen ist.
Diedeutsch-islándischenHandelsver-
einbarungen bleiben nach Erklárungen, die
der islándische Abgeordnete Jóhann Jósefs-
son einem islandischen Blatt unterm 12. Márz
abgegeben hat, ftir das kommende Jahr in
voUem Umfang bestehen. Die Haupteinfuhr-
waren nach Deutschland waren im letzten
Jahr: Herings- und Fischmehl, aUe Arten
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