Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 43
und an der deutsoh-islandischen Zusammen-
arbeit, die gerade in Hamburg durch das Zu-
sammenwirkender beiden genannten Verban-
de schon mancben schönen Erfolg gehabt hat.
Auch ein französisches Lektorat in
Reykjavík errichtet. An der islandischen
Universitat ist im letzten Wintersemester
nunmehr auch ein Lektorat fur Eranzösisch
eingerichtet worden und mit Mademoiselle
E. Petibon besetzt worden. Lektorin Petibon,
eine Schulerin von Prof. Jolivet von der Sor-
bonne in Paris, hat sich hauptsachhch dem
Studium des Nordischen gewidmet und be-
reits mehrere Semester lang an den Universi-
taten Oslo und Helsingfors studiert. AuCer
den studentischen Sprachkursen und Ubun-
gen werden französische Vorlesungen fiir die
öffentlichkeit tiher Erankreichs Volk, Kultur
und Literatur mit Lichtbildem gehalten.
England und Islands Zukunft. In der
englischen Wochenschrift „Time and Tide“
wurde ein Aufsatz veröffentlicht, der ebenso
wie der seinerzeit in Island starke Erregung
hervorrufende Artikel im „Scottsmann"
(S. 34) die Behauptung aufstellt, daÖ Island
nach einer Vereinigung mit England strebe.
Der VerfasserPatrik Brand kommt auf Grund
eines ein- bis zweiwöchigen Aufenthaltes in
Island zu diesem Urteil: Island könne nach
völliger Loslösung von Danemark 1943 nicht
alloin stehen. Es sei verschuldet und gezwun-
gen, alle Lebensnotwendigkeiten einzuftihren.
Der gröBte Teil des AuBenhandels, der jahr-
lich ungefahr 6 Mill. Pfd. Sterling betrage,
liege in Handen der Englander. Die Islánder
lebten unter dem Schutz der onglischen Elotte,
und es liege ihnen sehr viel an England. Eng-
lisch werde an allen Schulen gelehrt, beson-
ders an der Hochschule. Island habe sich
lángst entschieden. DaB Deutschland
nicht in Frage káine, habe der Empfang der
„Meteor“ auf den Westmánnerinseln und der
Diebstahl der Hakenkreuzflagge aus dem
Konsulat durch die Kommunisten gezeigt!
Ebenso falle Frankreich aus. Es sei nurmehr
die groBe Frage: Was tue England ?! —
Das Spiel um Island nimmt allmáhlich
Formen an, die an die schlimmsten Zeitcn der
islándischen Geschichte erinnern. H. V.
Einfuhr auslándischer Bticher nach
Island. Ein sehr aufschluBreiches Bild zeigt
die im Morgunblaðið veröffentlichte Statistik
tiber die Höhe der Einfuhr auslándischer Bti-
cher in Island und deren Verteilung auf die
einzelnen Lánder. In den Jahren 1922—1931
belief sich die Einfuhr von Btichern, Zeit-
schriften und Zeitungen — nicht erfaBt sind
dabei Kreuzbandsendungen und die im Ge-
páck der Reisenden mitgeftihrten Bticher —
auf 1925000 isl. Kr., also jáhrhch ungefáhr
auf 200000 Kr. Die im folgenden ausftihilich
wiedergegebene Statistikder Jahre 1932 und
1933 beweist, daB die Einfuhr weiterhin ste-
tig gewachsen ist.
1932 1933
kg Kr. kg Kr.
Dánemark 53 624 178064 67082 177811
England 6667 30364 8150 27819
Deutschland ... 2153 11867 3225 18316
Norwegen 1797 9440 2091 7089
Schweden 649 2558 1114 4295
Kanada — — 140 1500
USA 724 2457 565 983
Andere Lánder . 10 40 43 376
Insgesamt 65624 234790 82410 238169
Demnach betrug 1933 der Anteil Dánemarks
75% und Englands 12% an der islándischen
Btichereinfuhr, wáhrend Deutschland erst
mit 8% an dritter Stelle folgt. H. V.
200 Islandponys ftir deutsche Siedler.
Im Herbst vorigen Jahres sind von seiten des
Reichsnáhrstandes in Island 200 Ponys ftir
deutsche Siedler angekauft. Eine heachtens-
werte Verwendung von Islandpferden war
bisher in Deutschland nicht vorhanden und
auch infolge der groBcn Einfuhrzölle ftir
Pferde unmöglich. Es ist daher liier zum
ersten Male ein groBangelegter Versuch ge-
macht, die Islandponys in der deutschen
Landwirtschaft zu gebrauchen, und zwar in
der klaren Erkenntnis, welch groBe Ersparnis
die erfolgreiche Verwendung der ausdauern-
den und áuBerst gentigsamen Pferde, die be-
kanntlich nur von Gras und Heu leben und
in Island niemals Hafer zu sehen bekommen,
gerade ftir den deutschen Kloinbauern und
Neusiedler bedeuten wtirden. Bei Bewáhrung
sollen, wie verlautet, jáhrlich 1500 Island-
ponys zu diesen Zwecken eingeftihrt werden.
Das dtirfte ftir die islándische Pferdezucht
einen Aufschwung und damit ftir den Island-
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