Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 9

Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Blaðsíða 9
stehende Verfassungszustand nur durch einen Vertrag des Königs mit seinen islándischen Untertanen verándert werden könne1. Es setzte scharfe Debatten, in denen Graf Trampe den Regierimgsstandpunkt mit unverminderter Schárfe weiter vertrat. Es wurde sogar dánisches Militár gelandet und dem Stiftsamt- mann zur freien Verfiigung gestellt. Die Islánder jedoch blieben fest, und als Graf Trampe am 9. August, ohne daB die Verhandlungen zu irgendeinem Ab- schluB gekommen waren, die Versammlung völlig widerrechtlich schliefien wollte, kam es zum offenen Bruch. Mitten in die SchluBworte des Grafen hin- ein bittet Jón SigurJsson ums Wort. Es wird ihm verweigert, der Graf erklárt ,,die Versammlung fiir aufgehoben“, Jón SigurJsson erhebt sich mit den Wor- ten: „So protestiere ich gegen dieses Verfahren!“ und auffahrend schlieBt die ganze Versammlung sich ihm an: „Wir protestieren alle!“ Graf Trampe verlieB den Saal, wáhrend die Islánder einen Hochruf auf den König ausbrachten: nicht galt der Kampf dem seit alters anerkannten gemeinsamen König, von dem man vielmehr die Wahrung der Vertragsrechte erwartete, sondern dem Ministerium, das jetzt in Dánemark die Politik machte. Diese islándische Volksversammlung ist die denkwiirdigste von allen Ver- sammlungen wáhrend des Verfassungskampfes. Sie zeigte die ganze Schárfe und Tiefe der Gegensátze und offenbarte auf der Seite der Islánder den stark gewordenen Willen, fiir ihr Recht und ihre Freiheit einzustehen bis zum áuBer- sten. Und dieses Bild bieten mit nur unwesentlichen Abwandlungen in der Schárfe und dem Umfang der gegenseitigen Forderungen die ganzen beiden náchsten Jahrzehnte. Die noch von den Mitgliedern der Versammlung von 1851 an- den König gerichtete Adresse, der ein Entwurf eines eigenen Grundgesetzes fiir Island beigefiigt wurde, erfuhr im náchsten Jahre einen abschlágigen Be- scheid; nicht besser erging es den Petitionen des weiterbestehenden Alldings von 1853, 1857, 1859, 1861, 1863, die zum Teil in mehr gemáBigten Formen abgefaBt waren, aber doch immer dringender das Bediirfnis aussprachen, den verworrenen und auf die Dauer unhaltbaren Zustánden ein Ziel zu setzen. In der Proklamation vom 28. Januar 1852, die die Nichtinkorporierung Schles- wigs in Dánemark zusicherte und den Herzogtiimern neben einer fiir den Ge- samtstaat zu bildenden Volksvertretung auch noch ihre eigene stándische Re- prásentation mit beschlieBender Stimme versprach, wurde Island ebensowenig erwáhnt wie in dem „Verfassungsgesetz fiir die gemeinschaftlichen Angelegen- heiten der dánischen Monarchie” vom 2. Oktober 1855; und auch das neue dánische Fredgesetz vom 28. Juli 1866 brachte noch keinerlei Klárung der is- lándischen Frage. Einen Regierungsentwurf eines Gesetzes úber die finanziellen Beziehungen zwischen Island und Dánemark, der dem Allding von 1865 vor- 1 Vgl. Tíðindi frá Þjóðfundi Islendinga árið 1851, Reykjavik 1851, S. 496ff. 169

x

Mitteilungen der Islandfreunde

Beinir tenglar

Ef þú vilt tengja á þennan titil, vinsamlegast notaðu þessa tengla:

Tengja á þennan titil: Mitteilungen der Islandfreunde
https://timarit.is/publication/323

Tengja á þetta tölublað:

Tengja á þessa síðu:

Tengja á þessa grein:

Vinsamlegast ekki tengja beint á myndir eða PDF skjöl á Tímarit.is þar sem slíkar slóðir geta breyst án fyrirvara. Notið slóðirnar hér fyrir ofan til að tengja á vefinn.