Mitteilungen der Islandfreunde - 01.03.1935, Side 21
Zum Beweise die Jahresmittel einiger Stationen aus dem Norden und Siiden:
Nordland: Grimsey (66,5° n. Br. 18° w. L.): 277,0mm Niederschlag und
+ 1,6° C Temp.
Mödruvellir (Eyjafjöróur, 65,8°n.Br. 18,2° w.L.): 335,6mm
und + 2,3° C.
Siidland: Vik b. Kap Portland (63,4° n. Br. 19° w. L.): 2178,3 mm und
+ 5,6° C.
Eagurhólsmýri (Örœfajökull, 63,9° n.Br. 16,6° w.L.): 1885,6 mm
und + 3,6° C.
Diese Niederschlagszahlen zeigen, daB Teile Islands ausgesprochen regenarm
(nach den Köppenschen Begriffen), andere dagegen regenreich oder sehr regen-
reich (uber 2000 mm) sind. Auf Grund dieser Tatsachen ergibt sich also, daB
Island trotz seiner durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 893,3 mm im
Jahr nicht schlechthin als ein feuchtes Land bezeichnet werden darf.
Zum SchluB dieser Betrachtung sei noch ein kurzer Blick auf die Stellung
des Menschen in der islandischen Landschaft geworfen. Wie alle subpolaren
Wiesenlánder, so stellt auch Island ein Kúckzugsgebiet dar. Eine Urbevölkerung
ist nicht nachzuweisen. Die Besiedlung geschah, abgesehen von der Episode der
irischen Mönche, durch die aus Norwegen weichenden Wikinger. Sie brachten
ihre gediegene hohe Kultur mit, die in dem neuen Lande so zur Fremdkultur
mit allmáhlich starker Anpassung an die Landschaft wurde. Dies ist um so ver-
stándlicher, wenn man beachtet, daB die subpolaren Wiesenlánder niemals aus
sich heraus eine eigene hohe Kultur (Heimatkultur) hervorgebracht haben. Die
Natur der Landschaft erfordert zur Abringung der kargen Lebensbedingungen
einen harten und dauernden Kampf ihrer Bewohner. Diese werden dadurch
ihrerseits gestáhlte, wetterharte Menschen mit ausgeprágtem Charakter, die von
Heimatliebe zu ihrer felsigen Scholle erfúllt sind, wie selten andere Völker. So
auch der Islánder! Gegenwártig, etwa seit der Jahrhundertwende, ist die is-
lándische Kultur durch das immer tiefere Eindringen der neuzeithchen Ma-
schinenkultur in einer groBen Umwandlung begriffen. —
Der Vatnajökullausbrnch 1934 iu Island
Bericht íiber eine von drei Deutsohen unternommene Expedition an den Krater
von ICarl Schmid, Laupheim
Die islándische Landschaft unterscheidet sieh von jeder andoren nordischen besonders in
einem Punkto. Es gibt wohl kaum ein Land der Erde, in dem der Vulkanismus durch seine
Liebendigkeit und Vielgestaltigkeit dem Landsehaftsbild so sein Geprage gibt wie hier.
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